15
Traume erwachend, ſeine Gattin anblickte, als dieſe jetzt zurückkam mit der dampfenden Schüſſel ihrer Abendmahl⸗ zeit. Sie bemerkte ſeinen Blick und ſagte lächelnd:„Nun, Hager, ſiehſt Du einen Geiſt?“
„Ich ſehe Dich vor mir zu Neuſtadt, als wir— ich meine den Kaiſer, meinen Herrn, und ſein ganzes Geleit— aus Ztalien kamen. Dort im großen Saale ſeh' ich Dich noch, wie Du der jungen, zierlichen Kaiſerin vorgeſtellt wurdeſt und ſo ſchön ſie war, mit ihren dunkeln, ſtrahlen⸗ den Augen und dem feinen Geſicht, warſt Du doch ſchöner, Elſi.“
„Das ſind thörichte Reden, Hager, glaubt Dir kein Menſch!“ erwiederte ſie.„Und dreißig Jahr her!“
„Schau, mir iſt es wie heut. Ich hab' den Kaiſer beobachtet, als ihm vor dem Thor zu Siena die Braut von Portugal zugeführt wurde, das war vom König La⸗ diſlav, ſeinem Vetter, dem armen jungen Herrn, der dann ſo früh ſterben mußte und von Herzog Albrecht— Gott ſei ihm gnädig!— Die hatten die königliche Prinzeſſin mit großem Staat empfangen und führten ſie meinem Herrn zu, der hielt zu Roß vor dem Thor und wir Alle, ſein öſterreichiſch Gefolg, bei ihm. Als er von Weitem die ſo gar kleine Geſtalt ſeiner Braut erblickte, da wurde er blaß, Elſi, ich hab' es deutlich geſehen. Aber wie er ſie, näher gekommen, angeſchaut hat und ſie wohl klein, wie


