Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

zu Füßen der Frau. Die Knechte ſaßen raſſelnd auf, der kleine Zug ſetzte ſich langſam in Bewegung. Es war ein ſchlechter, ſteiniger Weg durch den Thalgrund, der einge⸗ ſchlagen werden mußte, und der Wagen ging oftmals ſo ſchief, daß er umzuſtürzen drohte und die Dame ängſtlich nach der Seitenlehne griff. Aber der Diener fuhr ſehr geſchickt und beruhigte bei jeder Gefahr ſeine Herrin mit gutmüthigen Worten, obgleich es ihn eigentlich Wunder nahm, daß ſie, eine ſonſt beherzte Frau, heute ſo wenig Muth zeigte. Die Sorge um ihre Tochter mochte es ſein, welche ſie zaghaft machte; der Alte wußte es, daß ſie die⸗ ſelbe heute erwartete und ihr darum entgegen gefahren war, doch wagte er nicht, davon zu ſprechen.

Der Thalgrund krümmte ſich um den Fuß des Hü⸗ gels, auf welchem die Kapelle ſtand; ſie war nicht mehr zu erkennen, aber die breiten Kronen der Bäume, welche ſich über ihr wölbten, leuchteten noch im goldnen Feuer des Niedergangs, während unten, wo der Wagen und die Reiter über den unebenen Boden mühſelig dahin zogen, bereits Dämmerung einbrach. Der alte Diener hatte ganz Recht gehabt, es mußte finſter werden, ehe ſie heim kamen. Zum Glück war noch bei hinlänglichem Zwielicht die ebene Fläche erreicht, wo nun der Weg eine Strecke im friſchen Trabe fortgeſetzt werden konnte. Er wandte ſich dann wieder den Bergen zu, deren Geſtaltung, bei