Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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In dieſem Augenblicke machte das Geräuſch einer aufgehenden Thüre das Blut in ſeinen Adern er⸗ ſtarren. Beſtürzt wandte er ſich um und gewahrte, beim Mondſchein, am Eingang eine weiße Geſtalt, worin ein Abergläubiſcher das rächende Geſpenſt des Ermordeten zu ſehen geglaubt haben würde.

Dieſe Erſcheinung ſchritt gerade auf den Exga⸗ leerenſträfling zu, der vor Schrecken ſeinen Dolch und die Goldröllchen zugleich fallen ließ. Doch blieb ihm, während ihm die Knie ſchlotterten, noch ſo viel Kraft, daß er das Fenſter wieder zu gewinnen und dasſelbe zu erſteigen vermochte. Freilich koſtete ihm dieß eine letzte, verzweifelte Anſtrengung. Er lief durch den Garten hin, erſtieg die Ringmauer und fing an, querfeldein zu fliehen, ohne ganz wie beim erſten Mal etwas Anderes mitgenommen zu haben als das Bewußtſein ſeines Verbrechens.

Als zwei Stunden darauf die Wärterin der Frau Gorſaz endlich aufwachte, überzeugte ſie ſich, daß das Bett der Kranken leer war. Voller Schrecken eilte ſie ans Fenſter und fand es geſchloſſen, ſah aber dafür die Thüre halb offen. Ein Licht an⸗ zündend, verfolgte ſie von einem Zimmer zum an⸗ dern die Spuren der Schlafwandlerin, die auf ihrem Wege keine der von ihr geöffneten Thüren wieder geſchloſſen hatte. Endlich kam ſie auf der Schwelle des zu ebener Erde belegenen Zimmers des Herrn Gorſaz an, und hier ſtieß ſie, ſtehen bleibend, einen Schrei des Entſetzens aus, der das ganze Haus

auf die Beine brachte und es mit Grauen erfuüllte.

Von dem nächtlichen Lichte, das einen Theil des Zimmers erfüllte, ganz beleuchtet, ſaß Lucie mit fliegenden Haaren und geſchloſſenen Augen neben dem Leichnam ihres Gatten. Das kindiſche Spiel,