Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

333

der geheimen Höhlung das mit Gold gefüllte Fach hervor, woran der Exgaleerenſträfling, ſeit fünf Monaten, weder bei Tag noch bei Nacht aufgehört hatte zu denken.

Iſt das auch Alles? fragte dieſer, ſeine Beute mit den Augen verzehrend.

Alles, was ich in dieſem Zimmer habe, ant⸗ wortete Hert Gorſaz mit kaum hörbarer Stimme; doch habe ich in dem Schreibeſchrank, welcher im Bibliothekzimmer ſteht, noch Geld. Soll ich es holen?

Danke, danke; Sie würden Ihrem Bedienten⸗ volk rufen, und da käme ich ſobald nicht mehr fort. Zu viel Appetit iſt nicht gut. Ich will mit den Goldröllchen fürlieb nehmen.

Nehmen Sie ſie nur; ich ſchenke ſie Ihnen und verſpreche Ihnen zugleich, Sie nie anzugeben.

Oh! was das betrifft, ſo wiſſen wir, woran wir uns zu halten haben: ſehen Sie, noch ehe eine Stunde um wäre, wäre man mir auf der Spur ganz ſo wie das letzte Mal. Nicht ſo dumm.

Bei dieſen Worten trat der Exgaleerenſträfling mit einer eben ſo raſchen als unerwarteten Bewe⸗ gung hinter den Greis, umſchlang dieſen mit aller Kraft, die ihm zu Gebot ſtand, und ſchloß ihm mit der linken Hand den Mund, während er ihn mit der rechten mit anatomiſcher Genauigkeit erdolchte. Ins Herz getroffen, biß der Greis den Mörder con⸗ vulſiviſch in die Finger, ſtieß ein erſticktes Röcheln aus und ſtarb. Ohne alles Geräuſch legte Bonne⸗ main ihn auf den Boden und verſicherte ſich, daß keine Arterie mehr ſchlug. Jetzt ſtand er, gewiß, daß das Opfer ihn nie verrathen würde, wieder auf und tauchte die Hand in das auf dem Secretär ſtehende Fach mit den Goldröllchen.