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Seele und läßt ihr nur noch zum Leiden Kraft. Werden Sie mir es glauben, Herr Doctor? Nie bin ich feig geweſen, und ſehen Sie! jetzt wage ich nicht einmal mich ums Leben zu bringen. Und glauben Sie dabei ja nicht, daß die Religion mich zurückhalte: nein, die Furcht, die blaſſe Furcht iſt es. Es iſt in mir der Wunſch des Selbſtmords, nicht aber der Muth dazu. Er hat ihn gehabt— er! Jung und geliebt, hat er zu ſterben gewußt; und ich, der ich ſo hart am Rande des Grabes ſtehe, daß ich bloß den Fuß aufzuheben brauche, um in dasſelbe hinabzuſteigen, ich bin unſchlüſſig und zittere. Feigheit und Schwäche— das wären alſo die letzten Gefährtinnen des Menſchen!“
Die Anweſenheit des Arztes zu vergeſſen ſchei⸗ nend, ging Herr Gorſaz jetzt langſamen und müh⸗ ſamen Schrittes wieder in ſein Zimmer hinab. Hier verbrachte er den Reſt des Abends, unbeweglich in ſeinem Lehnſeſſel ſitzend und, mit auf die Bruſt herabfallendem Haupte und ſtarren Blickes, tropfen⸗ weiſe die unerſchöpfliche Traurigkeit koſtend, wovon ſeit mehreren Monaten ſein Herz lebte. Als um elf Uhr ſein Domeſtik hereintrat, ſtand er auf und ließ ſich mit mechaniſcher Folgſamkeit entkleiden; ſo⸗ dann nahm er einen narkotiſchen Trank, woran ſeine Schlafloſigkeit ihn gewöhnt hatte, und legte ſich zu Bette.
Im ganzen Hauſe herrſchte die tiefſte Stille und ſchon lange hatten ſich die Domeſtiken auf ihre Zim⸗ mer zurückgezogen. Luciens lethargiſcher Schlaf dauerte immer noch fort, und trotz des Vorfalls von der vergangenen Nacht war die Krankenwär⸗ terin, ihrer Gewohnheit gemäß, in ihrem Lehnſeſſel eingeſchlummert; Herr Gorſaz ſelbſt endlich ſchlief


