Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
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So laſſen Sie mich wenigſtens einen Augenblick ſie betrachten, verſetzte Herr Gorſaz.Heute Mor⸗ gen habe ich ſie nur ein wenig ſehen können, und es iſt nun ſchon ſo lange, daß Sie mich von ihr entfernt halten! Darf ich ſie denn gar nicht mehr ſehen?

Ihre Anweſenheit würde ihr das Leben koſten, gab der Arzt zurück;ſo lange ich ſie behandle, werde ich mich einer Zuſammenkunft widerſetzen, die keinen vernünftigen Zweck hat und deren Reſultat nur höchſt beklagenswerth ſein könnte. Bei dem furchtbaren Zuſtande, in dem ſie ſich befindet, wäre jede Steigerung der bereits vorhandenen Aufregung nothwendig tödtlich. Schonen ſie Sie alſo, ich bitte Sie um Alles! Iſt Ihnen an v. Aubian's Blut noch nicht genug? Müſſen Sie auch das dieſer Unglück⸗ lichen noch haben?

Finſter ließ der Greis den Kopf ſinken, und es verſtrich erſt einige Zeit, bevor er antwortete. End⸗ lich auf Herrn Mallet einen Blick voll düſterer Ver⸗ zweiflung heftend, ſprach er mit zitternder Stimme:

Könnte ich ſie durch meinen Tod am Leben er⸗ halten, ſo möchte ich lieber heute noch ſterben. Was thue ich auf der Welt, ich unglückſeliger Greis, ich, ein Gegenſtand des Abſcheues und des Schreckens, ich, der ich ohne Familie, ohne Freunde, ohne Kin⸗ der bin! Alles dieſes erſetzte ſie mir: ſie war meine Wonne, mein Glück, mein Schatz! Ach! warum war ſie nicht meine Tochter! Vielleicht daß ſie mich dann geliebt hätte!

Wozu die Klagen, wenn nicht mehr zu helfen iſt?

Nicht mehr zu helfen? Ich kenne ein Mittel, wo⸗ mit geholfen gründlich geholfen werden könnte, aber es würde deſſen Anwendung eine Energie erfordern, die mir jetzt abgeht; denn das Alter entnervt die