Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

319

Und das lügen Sie! ſchrie Lucie, deren Blick den Greis niederblitzen zu ſollen ſchien.Dieſer Menſch lügt, fuhr ſie, ihn mit einem Finger be⸗ zeichnend, fort,ich bin ihm untreu geweſen: er weiß es; und um ſich nun zu rächen, klagt er Ar⸗ thur eines Verbrechens an. Ich hatte ihm den Vorſchlag gemacht, daß er mich... mich anklagen ſolle; ich hätte mich nicht vertheidigt; er aber hat es nicht gewollt. Das Blut eines Weibes wäre ihm nicht genug; er will... er muß das Arthur's haben das Blut Arthur's, den ich, ich ſage nicht mehr als mein Leben, denn das wäre zu wenig , nein, denn ich mehr als meine Ehre liebe!

Hier unterbrach ſich Lucie und ließ ihre feuer⸗ ſprühenden Augen über den Theil des Saales hin⸗ laufen, der von dem Weibervolk eingenommen war, unter welchem ſich eine gewaltige Gährung kund gab und deſſen Geflüſter ein allem Herkommen ſo ſehr zuwiderlaufendes Geſtändniß in unzweideutiger Weiſe verdammte.

Ich höre das Wort Schamloſigkeit ausſprechen! ſagte ſie mit einem Lächeln voller Bitterkeit zu die⸗ ſen Frauenzimmern.Trotzdem daß ihr ſo wenig Mitleid an den Tag leget, wünſche ich doch keiner von euch, daß ſie unglücklich genug werden möge, um die Erfahrung zu machen, daß es etwas noch Mächtigeres gibt als die Scham ich meine die Verzweiflung. Stände das Schaffot nicht da, glau⸗ bet ihr dann, daß ich meine Schande ſo euren ver⸗ ächtlichen Reden preis geben würde? Man will ihn ums Leben bringen ja, ſein Leben will man. Soll ich ihn denn ſterben laſſen, damit ihr nicht mehr über mich zu erröthen brauchet?