1 MWM
313
aber iſt man darüber empört. Eine ſo außerge⸗ wöhnliche Reſignation beſtätigt die Anklage, anſtatt ſie zu entkräften. Dieſer Menſch iſt ſchuldig: es ſteht das auf ſeinem Geſichte geſchrieben.“
Nachdem Herr Gorſaz ſeine Ausſage beendigt, ſetzte er ſich mitten unter die übrigen Zeugen hin⸗ ein, unter unzweideutigen Beweiſen achtungsvoller Theilnahme, welche ihm von Seiten der Zuhörer⸗ ſchaft wurden. Die Sitzung ward auf einige Au⸗ genblicke durch Privatgeſpräche unterbrochen; mit einem Mal aber ging dieſes wirre Gemurmel in eine lautloſe Stille über. Es hatte der Präſident mit einer von dem geſammten anweſenden Publi⸗ cum gehörten Stimme die Worte geſprochen:
„Gerichtsdiener, laſſen Sie Frau Gorſaz ein⸗ treten!“
Sofort verließ einer der Gerichtsdiener den Saal, um alsbald wieder zu erſcheinen, gefolgt von der jungen Frau, die jetzt das Ziel der allgemei⸗ nen Neugierde wurde. Den Kopf hoch tragend, mit fieberhaft geröthetem Geſicht, mit inſpirirter Miene ſchritt ſie feſten Trittes bis an den Rand der Eſtrade, die den Zeugen angewieſen war, um zu deponiren. Hier blieb ſie ſtehen, anſcheinend taub für die Interpellationen, welche der Präſident an ſie richtete. Ihr feuriger Blick, der etwas Wir⸗ res hatte, durchlief mit übernatürlicher Feſtigkeit die zu ihren Füßen zuſammengedrängte Zuhörer⸗ menge; bald aber hatte er die Anklagebank erreicht, wo er auf v. Aubian haften blieb.
Plötzlich ſtreckte Lucie— und es nahm ihr Ge⸗ ſicht dabei einen unausſprechlichen Ausdruck von Gier, Liebe und Verzweiflung an— mit einer un⸗


