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„Er iſt es immer noch,“ antwortete ihre Nach⸗ barin, dieſe Bewunderung noch überbietend;„die moraliſche Schönheit altert nicht. Welcher Edel⸗
muth! welcher Seelenadel! Jetzt begreife ich auch
vollkommen, wie Frau Gorſaz gefährlich krank wer⸗ den konnte, als ſie ſich von einem ſo ſchweren, ſo unerſetzlichen Verluſte bedroht ſah.“
„Er iſt ein neuer König Lear,“ bemerkte eine romantiſche Philaminte, welche dem Shakeſpeare⸗ Cultus ergeben war.
Dieſes Wort ging von Mund zu Mund und wurde ſelbſt von denen, die es nicht verſtanden, in ſentenziöſer Weiſe wiederholt..
„Haben Sie über die Ausſage des Zeugen irgend eine Bemerkung zu machen?“ fragte der Schwur⸗ gerichtspräſident den Angeklagten.
v. Aubian erhob ſich und ſchien eine Weile ge⸗ gen eine gewaltige Verſuchung anzukämpfen, über die er am Ende aber ſiegte.
„Zur Ehre meines Namens,“ ſprach er,— „denn nicht mein Leben iſt es, das ich vertheidige—, muß ich wiederholen, daß ich nichts zu ſchaffen habe mit dem Verbrechen, deſſen man mich beſchuldigt. Was die Erklärung des Herrn Gorſaz betrifft, ſo ſteht es mir nicht zu, mich darüber in Erörterungen einzulaſſen. Möge die Juſtiz ihren Ausſpruch thun: ich werde mich demſelben, wie er immer ausfallen mag, zu unterwerfen wiſſen.“
Dieſer Proteſt ſchien ebenſo kalt als gezwungen, und wurde ungünſtig aufgenommen.
„So ſpricht die Unſchuld nicht,“ ſagten die mei⸗ ſten Zuſchauer unter ſich;„einem ungerechten Ur⸗ theilsſpruch unterwirft man ſich nicht nur ſo, wohl


