Teil eines Werkes 
7. Bd. (1859) Sammlung
Entstehung
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ſen! zu

oder Walter's Irrfahrten. 279

finden? Mit dieſem Selbſtbewußtſein meiner Schlechtigkeit müßte ich mir ja mein Lebenlang ſelber aus dem Wege gehen. Hm, hm, im Grunde habe ich doch ſo Unrecht nicht. Was hilft es der Hildegard, wenn ich mich ſchlachten laſſe? Ein gebratener Geliebter iſt ſo gut wie gar keiner. Und dann, Hildegard, ich bin wirklich zu alt für dich, du eine Roſe von achtzehn Jahren und ich eine Brennneſſel von Geht ſich um, leiſe) mehr als fünfzig; es iſt wirklich ein auffallendes Mißver⸗ hältniß. Nein, Hildegard, ich beweiſe dir meine Liebe am Beſten, wenn ich dir entſage, wenn ich dir um deiner ſelbſt willen untreu werde. Betrachte ich die Dinge von dieſer Seite, ſo wird mein Gewiſſen etwas leichter, ich ſteige wie⸗

der in meiner Selbſtachtung! Ja, ja, jedes Ding hat mehrere

Seiten, von denen man es anſchauen kann, man muß nur

immer die rechte ausfindig zu machen wiſſen. Lied.

Ein junger Mann iſt feſt verſprochen, Er liebt mit Inbrunſt ſeine Braut, Es dauert nur noch wenig Wochen, So wird das Liebespaar getraut.

Da muß zum Unglück es geſchehen, Raſch wird des Bräutchens Vater arm. Der Bräutigam, man wird es ſehen, Bleibt treu, er liebt ſie gar zu warm, Da füllt ihm ein: die Tochter müßte Jetzt einz'ger Troſt dem Vater ſein, Und Unrecht wär's, da er es wüßte, Ließ er den Alten ganz allein.

Drum tritt zurück er ganz beſcheiden Ja, jedes Ding hat doch zwei Seiten.