Teil eines Werkes 
1. Theil (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 310—

tete, oder nur der Ausdruck eines zarten Ge⸗ fühls war, was mit ſich ſelber ſtreng richtete.

(Aus meines Bruders Tagebuche.)

So ſoll ich denn der Sugend ganz entſagen,

Und moͤchte doch ihr treuſter Junger ſeyn? Den Kampf, den großen, kann ich nimmer wagen, Denn ach! mein Inneres iſt nicht mehr rein.

Im Knaben keimte ſchon des Schickſals Lucke, Schlich ſich das Gift in's Herz ſo ſtark und feſt, Und maͤchtig ſahlen Wolluſt gluͤh'nde Blicke Aus meiner Bruſt der Tugend letzten Reſt.

Du Phantaſie, ſo lieblich ſchoͤn im Malen, Wie riefſt du mich ſo lockend und ſo ſüß;

Ach, meiner Lugend ſchoͤnſten Idealen Schien jenes Traͤumen wie ein Paradies.

Wie um die Roſe ſich die Dornen ſchlingen, Wie der Genuß ſich ſchmerzlich fuͤhlbar macht, So war des Fampfes widerſtrebend Ringen,— Bis denn die erſte Suͤnde ward volbracht.

Je unerreichbarer Genuß ſich zeiget⸗ Je gluͤh'nder iſt der Wunſch, den er gebiert; Je ſchwerer das Gewiſſen anfangs ſchweiget, Je leichter dann ſein Mahnen ſich verlſert.