— 308—
noch dadurch vermehrt, daß ich⸗ obgleich fünf Reiter abgeſchickt wurden, um die Spur der
mir Geraubten zu entdecken, auch nicht die
leiſeſte Spur erhalten konnte, wohin jene ihren Weg genommen hatten. Sehnſucht, Schmerz, Gram und Kummer zogen mir ein heftiges Fieber zu, das mich an den Rand des Grabes brachte. Wie lange ich bewußtlos gelegen⸗
weiß ich nicht. Dunkle, düſtre Traumbilder beſchäftigten mich eine lange Zeit, bis es
mächtig und mächtig in meiner Seele wieder
zu tagen anfing, und ich klare Vorſtellungen vekam. Als ich aus dieſem Zuſtande erwachte,
ſtand mein Onkel mir zur Seite.„Gott Lob!“ rief er,„nun haben wir geſiegt!“— Ich wollte reden, doch er bat mich dringend⸗ ruhig zu bleiben. Es dauerte lange, ehe ich
mich erholte. Kaum geneſen, eilte ich, in Be⸗
gleitung meines Onkels, dem ich die ganze
tragiſche Geſchichte mitgetheilt hatte⸗ in das
Thal zurück. Alles war wüſt und zerſtört; vom Tmpel war faſt nichts mehr zu ſehen. Auch


