Teil eines Werkes 
1. Theil (1812)
Entstehung
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Denn jedes, jedes edle Herz?

Ich laſſe dich das meinige durchſchauen.

Wie ſchrecklich ſie darin getobt, enthüll' dir

Und du beehre mich dafür

Mit gegenſeitigem Vertrauen.

Hier ſchwieg er, Leo horchet auf. 630

Der Prinz erzählt getreu ihm ſeinen Lebenslauf.

Das offne, das beſcheidne Weſen,

Womit er ihn erzählt, knüpft Leo immer mehr

An dieſen edlen Freund, den ſich ſein Herz erleſen.

Sein Auge wird von Thränen ſchwer,

Als er den Tod des biedern Tullus höret,

Doch bey dem Tod des ſanften Tatlus

Und Tatiens fühlt wider Romulus

Der edle Mann ſein ganzes Herz empöret.

Am Ende pries er Numa's Kraft, 69a

Daß er, ſo hart ihn auch die Leidenſchaft

Danieder warf, doch wieder ſich ermannet

Und nun Herſilien aus ſeiner Bruſt verbannet.

Freund, ſagt er ihm, das Opfer ſchmerzte zwar,

Doch was ließ hier für ein Entſchluß ſich faſſen?

Du mußteſt doch es bringen, denn es war

Die Wahl nur zwiſchen Lieb' und Tugend dir ge⸗ laſſen.

Du zogſt die letztre vor: gekränket und verbannt,

Den Pfeil im Herzen noch, fliehſt du aus deinem Land.

Und vnn wirſt du ſelbſt bekennen, 500

Du ſeyſt auch ſo noch glücklicher zu nennen,

Als mit Herſilien auf ihres Vaters Thron,

Auf welchen du, zu deines Meineids Lohn,