—— 5. 0—
Kaum war die Morgenröthe wach,
So kommt der Leichnam an, in Purpur einge⸗ ſchlagen.
Die Edelſten der Krieger tragen
Die theure Laſt, und tauſend folgen nach
Bey trauriger Muſik, das Haupt von Gram ge⸗ ſchweres,
Die Augen naß, die Waffen umgekehret.
Die unglückſel'ge Tatia,
In Flor gehüllt und mit Cypreſſen-Kränzen 390
Um ihre Stirn, iſt ſtets der Bahre nah',
Wirft Blumen drauf, woran noch ihre Thränen glänzen,
Und ſtützet ſich von Zeit zu Zeit
Auf Numa's Hand, weil ihr die Kniee brechen.
Er theilet ihre Traurigkeit
Und ſucht ihr Troſt, ſelbſt troſtlos, einzuſprechen.
Das ganze Volk, um ſie gegoſſen, klagt
Am laut'ſten Metius, der ſeine grauen Haare
Ausraufet, ſeine Bruſt zerſchlägt und, an die
Bahre Gelehnt, die halb vom Schmerz erſtickten Worte ſagt: 400
O trefflichſter der Fürſten, mein Gebiether,
Mein Vater und mein Freund! vor funfzig Jahren ſchon
Locht' unſre zwey ſich ähnlichen Gemüther
Zum feſten Bund der Freundſchaft Silberton.
Und nun biſt du auf ewig mir entflohn!
Warum verlängerten die Parzen meinen Faden,
und wollten nicht mich unglückſel'gen Greis
——
—
———
———
—
—
—


