Teil eines Werkes 
1. Theil (1812)
Entstehung
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Greis Tullus. Wie ein Bach, der über Wieſen gleitet,

Die Blumen tränkt, die Gegend fruchtbar macht,

So floß ſein Leben hin; früh, wenn der Tag er⸗ wacht,

Spät, wenn der Tag entſchläft, ward von dem edlen Greiſe

Sein Opfer und Geberh der Göttinn darge⸗

bracht,

Doch ſelten für ſich ſelbſt; die unglückſel'ge Waiſe,*

Die Witwe war der Gegenſtand.

Um deren Leiden zu verſüßen 30 Stieg ſein Gebeth, für die hat, zu der Gottheit Füßen

Sein Weihrauch und ſein Herz gebrannt.

Dem Tempel nah' erhob ſich ſeine Hütte, Der Unglückſel'gen Sammelplatz. Er theilt' aus ſeiner Weisheit Schatz Dem Rath, dem Warnung aus. Es ward behnah' zur Sitte Im ganzen Land, daß jeder, dem ein Gram Am Herzen fraß, zu Tullus Schwelle kam. Wenn Freunde ſich getrennt, wenn Gatten ſich entzweyet, Wenn ſich ein Sohn vom Tugendpfad verirrt, Der Aeltern Herz gekränkt, doch ſeinen Fehl be⸗ reuet, Wenn Nachbarnzank ein friedlich Dorf verwirrt, 40 So war es Tullus ſtets, vor dem der Zorn ge⸗ ſchwiegen,