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gethan haätten, was in den heiligen Geſetzen vorgeſchrie— ben ſey, und der Rath den Krieg beſchließen koͤnnte, ohne deßhalb den Zorn der Goͤtter zu fuͤrchten. Ehe die ſes vor⸗ aus ging, iſt weder der Rath, noch das Volk den Krieg zu ſchließen berechtiget. Dieſes haben wir von den Fetia⸗
len in Erfahrung gebracht.
Der letzte Theil von Ruma's Verordnungen betraf diejenigen Prieſter, welche die oberſte Prieſterwurde und die hoͤchſte Macht beſißen. Sie nennen ſie FontehRces (Bruͤckenmacher), weil eine ihrer Beſchäftigungen darin beſtehet, daß ſie die hoͤlzerne Bruͤcke im guten Stande er⸗ holten. Sie ſpielen eine wichtige Rolle. Sie entſcheiden alle Streitigkeiten, die den Gottesdienſt betreffen, ſo wohl zwiſchen Privat⸗Perſonen, als obrigkeitlichen und prie⸗ ſterlichen. Sie machen Verordnungen in jenen Religions⸗ Sachen, die weder durch ein geſchriebenes Geſet, noch durch Gewohnheit entſchieden ſind, und beſtimmen, daß jenes, was ſie ſchicklich däucht, durch ein Geſetz, oder den Gebrauch eingefuͤhret werde. Sie haben die Aufſicht uͤber alle Prieſter und alle obrigkeitlichen Perſonen, die mit Opfern oder Gottesdienſt zu thun haben. Sie wa⸗ chen, daß die Gehuͤlfen und Handlanger, deren ſich jene bey dieſer Gelegenheit bedienen, in nichts wider die hei⸗ ligen Geſetze verſtoßen. Sie leiten und belehren die im Dienſte der Goͤtter und Dämonen unwiſſenden Privat⸗ Perſonen. Wenn ſie einige ungehorſam ihren Satzungen finden, ſo ſtrafen ſie dieſelben nach der Größe des Ver⸗


