Teil eines Werkes 
5. - 8. Bändchen (1844)
Entstehung
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daß die Chronik Johannes Magni und dann auch noch theilweiſe Rudbecks Atlantika ſtehen, in Mißkredit ge⸗ rathen war. Sie wurde durch eine neuere Anſicht unſerer Gelehrten verdrängt, welche ſich nach der Be⸗ kanntſchaft mit den isländiſchen Sagen zu Anfang und in der Mitte des ſiebzehnten Jahrhunderts geltend machte. Allein die Mißachtung der Verwandtſchaft mit Troja kam noch ferner von der Unbekanntſchaft der Forſcher mit dem ganzen thrakiſchen Leben überhaupt her, welches die griechiſchen und römiſchen Schriftſteller theils nicht recht kannten, theils aus Religionsgründen haßten; ſie kam her aus dem Man⸗ gel einer Kenntniß des ganzen euxiniſchen Pontus, des mäotiſchen Orientes—“

„Der euxiniſche Pontus, Onkel! iſt das nicht das, was wir Pontus Euxinus, ſchwarzes Meer benennen?“ unterbrach ihn Fräulein Ulla.

„Gewiß, meine Nichte. Der Pontus Euxinus (Pontos Axeinos,„das ungaſtliche, den Fremden ge⸗ fährliche Waſſer“) war ein merkwürdigeres Meer, als Mancher jetzt ahnt, ſeit ſein Ruf in neueren Zeiten durch den des mittelländiſchen Meeres verdrängt wurde. Das ſchwarze Meer ſpielte die wunderbarſte Rolle in der kimmeriſchen, ſchtiſchen und thrakiſchen Vorwelt; ſeine ſchönen Ufer, beſonders um Sinope, Trapezunt⸗ der Mündung des Phaſis und am tauriſchen oder turaniſchen Cherſonnes, der Halbinſel Thors— jetzt Krimm— haben Abenteuer und Begebenheiten erlebt, die ſich mit allen andern in der Weltgeſchichte ſowohl als in den gigantiſchen Gedichtbüchern meſſen können. Ach meine Freunde, wie unwiſſend find nicht die Men⸗ ſchen in ſpätern Jahrhunderten geworden! Die lieb⸗ lichſte, herrlichſte, bedeutungsreichſte Vorzeit hat ſich hinter einem rothen und ſchwarzen Schleier unſern Blicken entzogen. Nur einige Zeichen da und dort, einige Spuren von hieroglyphiſchen Formen, einige Worte von ſphynrartiger Räthſelhaftigkeit ſprechen wie