Teil eines Werkes 
5. - 8. Bändchen (1844)
Entstehung
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wechslung. Alles, was du bis jetzt Verbrechen ge⸗ nannt haſt, war es nur gegen Menſchen und gegen ſchwache menſchliche Satzungen; und die Zerſtörung von Vorurtheilen muß dem zufolge ein Verdienſt gegen die Zeit ſein. Aber gibt es denn nicht auch Verbrechen, welche Verbrechen gegen Gott ſind? Laſter, deren Be⸗ friedigung keineswegs die Welt trägt oder den Fort⸗ gang der Bildung befördert?“

„Ohne Zweifel,“ antwortete Herr Hugo mit einem ernſthaften Bruderblick.„Habe ich dir das nicht ſchon einmal geſagt. Das große Verbrechen beſteht aber indeſſen darin, daß es noch keine Bildungsveriode auf Erden gab, welche nicht Verbrechen gegen ſich für Verbrechen gegen Gott angeſehen hätte. Und dieſe Sünden, dieſe Laſter hat noch immer jede Bildungs⸗ periode als die größten, ſchrecklichſten, unverzeihlichſten der Zeit bezeichnet. Die abſoluten Laſter dagegen, das heißt die, welche es vor Gott ſind, werden im. Vergleich mit jenen für minder wichtig gehalten. Die Oberhäupter der jedesmaligen Periode beſchäftigen ſich wenig oder gar nicht mit denſelben, da ſie ja die eigene Grenzbeſtimmung der Bildung nur wenig be⸗ treffen, und doch die Vertheidigung dieſer den Häup⸗ tern am meiſten am Herzen liegt. Laſter und Ver⸗ brechen gegen Gott, welches doch eigentlich die einzig wahren ſind, überläßt man dem höhern Weſen und befaßt ſich nur wenig mit ihrer Steuerung.“

„Aber ein für alle Mal, worin beſtehen denn dieſe Laſter und Verbrechen?“

„Darin, daß man Alles und Alle nicht liebt; und ferner in der ganzen Gemüthsanlage des Menſchen und all ſeinen Thaten in der Welt, die aus dieſer Unliebe herfließen,“ antwortete der hohe Vater.„Dieß lehrt das Chriſtenthum.“

„Glaubt mir,“ fubr er fort,„dieſe Lehre enthält weder Formloſigkeit noch Geſetzloſigkeit; allein ſie enthält freilich nur die Form, welche jedem Weſen