Teil eines Werkes 
5. - 8. Bändchen (1844)
Entstehung
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kann auch gar nicht anders ſein. Denn jede Kultur⸗ ſtufe muß als ein geſchloſſener Kreis ihre umgebende Grenze haben. Ohne dieß könnte man nicht von einer beſtimmten Bildung ſprechen. Das größte aller Ver⸗ brechen entſteht alſo, wenn dieſer begrenzende Umfang auf irgend eine Art zerriſſen wird. Aber die Menſch⸗ heit ſelbſt kann nicht aus dieſer Bildungsform empor⸗ wachſen, ohne ihre Schaale zu zerbrechen. Dieſen Bruch aber muß der auseinandergehende Kulturzyklus für das größte aller denkbaren Verbrechen halten, da es ihn ſelbſt auflöst, und der Welt ein neues Leben ver⸗ leiht. Darum wurde Chriſtus von den Juden ge⸗ kreuzigt, weil das, was er predigte, die Grenzen des Judenthums erweiterte und die Kette jener Gerechtig⸗ keit zerbrach, welche auf„die Werke des Geſetzes“ gebaut war. Das„Geſetz“ ſchauderte vor dem „Glauben“, verketzerte ihn und verfolgte ſeine Ver⸗ kündiger, ſo lange es möglich war. Aber ſeine Kraft ward endlich gebrochen: die Geſetzesperiode fiel und der Glaube ſiegte. Dergleichen Schauſpiele, wo die geſtraft wurden, welche ein neues Leben einzuführen verſuchten, ſehen wir überall. Dem Mani ward von den Perſern die Haut abgezogen: die Heterodoxen aller Zeiten wurden von ihren reſpektiven Orthodoxen gemordet, worauf ſie nachher von der Zeit, die kam, für rechtgläubige Märtyrer anerkannt wurden. Huß wurde von den Katholiken verbrannt; und Luther würde daſſelbe Schickſal gehabt haben, wenn nicht die Grenze des römiſch⸗päpſtlichen Bildungskreiſes bereits an ſo vielen Punkten durchbrochen und zerſtört geweſen wäre, daß das Licht von allen Ecken hereinſchien, daß Nordeuropas Geiſt die Römerfeſſel abwarf, ſich er⸗ weiterte, und das ehemals größte Verbrechen jetzt, da es natürlich war und in der Ordnung der Dinge lag, als die größte Tugend galt.“

„Aber, mein Bruder,“ ſagte Fräulein Eleonore, „mir ſcheint, du machſt da eine höchſt gefährliche Ver⸗

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