Teil eines Werkes 
5. - 8. Bändchen (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

um w 510 alle ſolche Beſtimmungen, welche das Leben nicht in

ſich begreifen. Dieſe Geſetze ſind aber nothwendig, da ſie die Unordnung, welche durch eine vorausgegan⸗ gene Geſetzgebung entſtanden iſt, beilegen und ins Reine bringen müſſen; ſo wie das Uebel, das ſie ſelbſt anrichten, ſeinerſeits wieder durch künftige Geſetzge⸗ bungen zu beſſern geſucht werden muß. So z. B. bedarf es unumgänglich Geſetze gegen den Diebſtahl, nach dem eine andere Geſetzgebung lange Zeiten hin⸗ durch Armuth und Noth erzeugte; dieſer bedurfte es aber, weil eine frühere Ueberfluß und Tugend geſchaffen hatte; dieſer wieder, weil von einer andern Unſittlich⸗ keit geboren und der Begriff wahrer Luxus von der Erde genommen worden war. Und dieſe Kette wird ſo fortmachen, bis die Menſchheit endlich aus ihrer gigantiſchen Phantaſie von lex, rex und grex(um an das bekannte Buch unter dieſem Titel zu erinnern) aufwacht. Dieſes Erwachen aber begreift die zweite Periode des Chriſtenthums in ſich, welche myſtiſcher⸗ weiſe durch die Ankunft des Menſchenſohng auf den Wolken angedeutet wird. Dann iſt die Sonue des Lebens in der Welt aufgegangen und Harmonie in die Anſichten gebracht; und um wieder auf das zu kom⸗ men, was ich früher berührt hatte, der Geiſt bemäch⸗ tigt ſich dann des Körperlichen auf Erden ſo vollſtän⸗ dig, daß auch dieſes Letztere geſund, froh und friedlich wird. Die Gährung, die Erſchütterung, der Nerven⸗ tanz ſind nun verſchwunden. Der Menſch ſchaut auf das Vergangene zurück, das achtend, was war, und freudig und dankbar, daß es vollendet iſt. Und mit

dieſem Unterliegen des ganzen Erdenlebens unter der

ſtarken Gewalt des Geiſtes hören auch die äußeren Geſetze auf, welche mehr oder weniger ſchief find, und die Verbrechen nehmen überhaupt ein Ende. Ich muß meiner Akademie ſagen, daß ich auf einen Punkt gekom⸗ men bin, wo ich das Myſterium der Sünde durchſchaue.“ „Wie?“ riefen Alle, und beſonders Julianus.