Teil eines Werkes 
5. - 8. Bändchen (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

304

ſchaft und das hohe Streben der Religion ausmacht. Dazu gehört aber, wie ich treu und feſt glaube, das Chriſtenthum. Hierin iſt es, wo ſich das mächtig und unbeſiegbar offenbart, was man Leſerei nennt, da nun einmal der jetzige Sprachgebrauch zu wollen ſcheint, daß man das Cyriſtenthum ſo heiße, ſobald es ſich zum Unterſchied von jener allgemeinen, ruhigen Lau⸗ heit und glatten Kälte, durch Leben und eine feſte Ueberzeugung in der Perſon kund gibt.“ „Eleonora! auch ich habe es wie du, ſehr wohl⸗ thuend gefunden, die Leſerei einmal von ihrer höhe⸗ ren, inneren und ſchöneren Seite zu betrachten, anſtatt

von der äußeren, unangenehmen, mediziniſchen, glieder⸗ verdrehenden, geſichtverziehenden— mit einem Wort,

anſtatt von der Chorea⸗Seite.“

„Aber ſage mir nur, Bruver, wie hat man dieſe jemals mit Leſerei, mit Frömmigkeit und Chriſtenthum

vermengen können? Das begreife ich nicht.“

„Die Frage, die du hier ſtelſt, meine Schweßer, iſt ſehr richtig; beſonders in unſern Tagen, eigentlich aber zu allen Zeiten. Ich war auch anfänglich der

Meinung, daß die Chorea die Religion durchaus nichts angehe, und auf keine Art eine Sitte des Chriſtenthums ſei. Dennoch iſt es mir bei genauer Betrachtung der Sache ſehr ſchwer, ja unmöglich geworden,— da ich einen kirchlichhiſtoriſchen Blick auf die verſchiedenen Sekten warf, wie die Shäkers, die Quäker, ſo wie auf die urſprünglichen, ſchon zu Chriſti Zeiten Mond⸗ ſüchtigen, ich meine die Lunatiker, ſo wie die Dämo⸗ niaken und Beſeſſenen, ich ſage, es iſt mir ſehr ſchwer geworden, in ihnen nicht eine gewiſſe unverkennbare ebereinſtimmung mit dem zu finden, was ſich in un⸗ ſern Tagen in Smaland gezeigt; und was der Streit zwiſchen den Herrn Sköldberg und Sonden ſehr inte⸗ reſſant entwickelt hat. Ich mußte in der That zuge⸗ ſtehen, daß ſelbſt in den Geſichtsverdrehungen unzwei⸗ felhaft eine gewiſſe, große theologiſche Merkwürdigkeit

* S