Teil eines Werkes 
5. - 8. Bändchen (1844)
Entstehung
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Unnatürlichkeit in ſich; und kein Menſch würde nach dergleichen fragen, wenn man nicht ſo viel Weſens davon machte.

Die Moral und vie wahre Gottesverehrung haben auch ihre Homöopathie; wenn man ſie nur von dem rechten Geſichtspunkte aus betrachtet. Das geringſte und anſcheinend unbedeutendſte Heilmittel iſt, wenn es wohl angewendet wird, das ſtärkſte Mittel zur Heilung der Seele, wie auch bei der Medizin für den Körper. Wenn in Folge deſſen, die religiöſen und moraliſchen Apotheken weniger beſucht werden, wie man das Nämliche für die phyſiſchen befürchtet, da ſich die Heilkunſt immer mehr von der Verordnung großer und gewichtiger Doſen entfernt, um den Kran⸗ ken dafür an unmerkliche Pulver und voſt gerade zu an das reine Waſſer zu verweiſen; ſo gewinnen doch die Menſchen an Geſundheit der Seele, wie an kör⸗ perlicher Friſche und das iſt immer etwas. Die geiſt⸗ lichen und weltlichen Apotheker der Menſchheit fluchen darüber, denn ſie befürchten, ihre Mittel möchten nicht hinreichen und ihre Anordnungen verachtet werden, wenn wir uns damit begnügen, uns nur dann für krank zu halten, wenn wir es wirklich ſind, und nicht immerdar, um nur auch immerdar einzunehmen.

Ueber dieſe hohen und abſtrakteren Dinge ſprach jedoch Frau Aurora ſelten mit dem Erzieher ihrer ge⸗ liebten Kinder. Sie bedurften es nicht: es wurde ja nie die Richtigkeit dieſer Sache bezweifelt. Wer ſittlich iſt, ſpricht nicht ſehr viel davon; und wer ge⸗ ſund iſt, denkt nicht an die Medizin. Das hindert jedoch Niemand, Gott tief in ſeinem Herzen für die koſtbare Gnade der Geſundheit zu danken: ebenſo wie man Apotheker und Apotheke hochſchätzt, obſchon man ſich geſteht, daß man mit dem größten Vergnügen an ihnen vorübergehe.

Wenn nun Medenberg gute Nacht nahm und ging, ergriff er allerdings die kleine weiße Hand ſei⸗