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Rath fragte, und von der Siellung eines Dieners, die er vielleicht hätte einnehmen ſollen, ging er bald zu der eines Bruders über und in Kurzem wohl gar mehr als Bruder— doch nie Liebhaber. Man frägt ſich: iſt denn ein armer, einfacher Magiſter, der erſt nicht einmal den Gradus erhalten hat, ein überirdi⸗ ſches Weſen? Nein. Medenberg war recht und ſchlecht irdiſch, ſo wie es der Himmel will. Indeſſen iſt es außer allem Zweifel, daß in ei⸗ nem großen und volkreichen Hauſe ein Informator— wenn er zufälliger Weiſe ein Mann iſt— beinahe im Lichte eines Geiſtes ſteht, vor dem Alle zur Seite wei⸗ chen. Jedermann weib, daß in einem Hauſe gar Vie⸗ les vorgeht und im Geheimen beſprochen wird. Man heißt dieß Klatſcherei. Eigentlich iſt es nichts An⸗ deres, als daß man die nöthigen Rachrichten mit ein⸗ ander austauſcht. Ein Informator iſt immer der Ge⸗ genſtand derartiger Beſprechungen, da er ſtets eine eigene Menſchenklaſſe bildet. Oft iſt eine ſolche Per⸗ ſon ſehr demüthig in Gegenwart der Eltern; aber ab⸗ geſchmackt, böſe, launiſch und trotzig gegen Kinder und den Stiefelputzer. Dieß wird dann den Eltern zugetragen und ſie denken weniger vortheilhaft von ihm, wenn er das nächſte Mal in kriechenden Geber⸗ den, gekrümmtem Rücken und unter beſtändigen Ver⸗ beugungen im Geſellſchaftszimmer anlangt, und ſich kaum bis zum erſten Fenſter von der Tbüre aus wagt. Oft geſchieht es ferner, daß er in Gegenwait der Herrſchaft, der Kinder und ſogar des Schuhputzers außerordentlich ſittlich iſt; aber eine Jungfer erzählt in der Küche der Andern etwas, was„der Magiſter“ zu ihr geſagt habe, und die letztere plaudert es vor der Fran. Dieſe— und vielleicht auch ihr Mann— denkt dann weniger vortheilhaft von dem Lehrer ihrer Kinder, wenn er das nächſte Mal in ihrer Geſellſchaft bei Tiſche ſitzt, und während die Fleiſchſuppe geſpeist wird, wo man immer am beſten Zeit zum Sprechen


