ſich mit einem ſolchen Manne nicht vertraulich über Gegenſtände einlaſſen, die nur für einen feinern Sinn Bedeutung hatten. Indeſſen hatte ſie dieſen Mangel wenig empfunden, da ſie von Kindheit an nicht ge⸗ wohnt war, das innerſte Schauſpiel ihrer Seele zu öffnen. Es ſchlummerte bei ihr und ſie fühlte ſich, wie wir geſehen haben, glücklich in der praktiſchen, frohen Ausübung ihrer häuslichen Geſchäfte, ohne nach etwas Weiterem zu fragen. Was ſchlummert, iſt aber deß⸗ halb doch vorhanden. Wie erhebt es nicht die Seele, wenn ſie bei ihrem Spaziergang über die Erde end⸗ lich doch eine andere Seele trifft? Man wacht bei die⸗ ſer Begegnung auf: man ſteht auf einmal wie vor einem Wunder.
Was dem Umgang Frau Aurorens mit ihrer neuen Bekanntſchaft einen ſo großen Werth verlieh, das war eben die unendliche Gelaſſenheit, die Freiheit von al⸗ ler Leidenſchaft, die Ruhe und doch auch Wärme, wo⸗ mit Herr Alexander beſtändig ſprach und handelte. Dieß gab ihr eine ſo große Sicherheit in ſeiner Ge⸗ ſellſchaft. Sie fand ihn immer zugleich höchſt intereſ⸗ ſirt, begeiſtert für die Sache, worüber man ſich gerade berieth und doch zugleich ganz unintereſſirt für ihre Perſon als Weib. Nichts zieht ein reines Herz ſo mächtig an, als dieſe Freiheit. Hätte ſich Herr Me⸗ denberg nur wie ein Holzklotz, ein Zahlenmenſch, ein Tölpel oder eine Perſon benömmen, die durchaus kein Gemüth befitzt: dann wäre die Sache klar geweſen und hätte nichts zu ſagen gehabt. Aber im Gegen⸗ theil. Er war lebhaft, hatte Sinn für Alles. Nur das, was man in der gemeinen Alltagsſprache„Hof⸗ machen“ zu benennen pflegt, ſchien ihm ganz und gar ein Unding zu ſein. Es lag in ſeinem Weſen eine Ueberlegenheit— nicht durch Worte oder Manieren, ſondern durch die Konſequenz des Gedankens und die ſittlich gehobene Stimmung— welche bewirkte, daß Aurora mehr und mehr Medenberg über Alles um


