Teil eines Werkes 
1. - 4. Bändchen (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2 2

313

lich über Etwas ratbzuſchlagen. Was daraus werden ſollte, wiſſen wir noch nicht.

Unterdeſſen ging die Frau Probſtin hinein, um ſich ſchwarz anzuziehen. Sie nahm ihr Brautkleid her⸗ vor, das von Seide war und immer getreu in der unterſten Schublade lag, und nie heraufgebolt wurde, außer bei feierlichen Trauungen, Kindtaufen und Trauer⸗ beſuchen, wo nicht nur der Probſt, ſondern auch ſie eingeladen wurde. Während ſie ſich ankleidete, wurde Marien das Setzen der Aepfel in den Ofen anvertraut.

Als Mama herauskam und fertig war, hätte ei⸗ gentlich Marie hineingehen und ſich ankleiden ſollen. Aber ſie ſagte:Es iſt am beſten, wenn Papa und Mama allein auf dieſen Beſuch fahren! ja, es iſt ſo am allerbeſten. Papa iſt jetzt gewiß auch ſchon in Ordnung und es würde zu lange ſich hinausziehen, bis ich fertig wäre. Auch muß man nach den Aepfeln ſehen, Mama: ich bleibe zu Hauſe.

Wie du willſt, mein Kind.

Der alte Edeling trat an die Küchenthüre. Er haite ſeinen Kaftan an, den Kragen aber trug er in der Hand; denn er legte ihn nie ſelbſt um, das war Mariens Amt. Während ſie da ſtand und dem Va⸗ ter den Kragen unter dem Kinn knüpfte, ſah ſie ein wenig düſter aus und als der Alte fragte, warum fie ſich nicht angezogen habe, ſagte ſie:Lieber Papa, ich will heute nicht nach Aronfors.

Der Greis ſah forſchend in ihr Auge, ſprach aber kein Wort. Als der Probſt und die Probſtin bereit waren, zu gehen und in die Kutſche zu ſteigen man ging ſonſt immer die unbedeutende Strecke zwiſchen dem Probſthof und dem Werke zu Fuße; aber bei groß⸗ artigen Beſuchen fuhr man ſogar bis zum nächſten Dorfe da trat Marie mit einem Buche, das ſie in ein Papier gewickelt hatte, zu ihrem Vater hin und ſagte:

Lieber Vater, gib dieſen deutſchen Schiller dem