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Herrn Magiſter Medenberg zurück, da er nun zurück gekommen iſt.“
„Ei warum nicht gar, liebes Kind, das geht nicht an!“ unterbrach ſie die Probſtin.„Er wird ſchon ſelbſt hieher kommen und das Buch holen und dann leiht er dir einen neuen Theil, Du mußt dich nur gedulden. Was ſind das für Kindereien, Marie? Schickt ſich eine ſolche Empfindlichkeit?“
Marie ſah zu Boden und ſchien eine Thräne zu zerdrücken. Ich weiß nicht, was Mama damit meint? ſagte ſie und ſchaute auf.
„Du wirſt einſehen,“ erwiederte die Probſtin är⸗ gerlich, daß der Mann nicht ſo viel Zeit hatte, um dir gleich bei ſeiner Rückkehr Viſiten zu machen, zu⸗ mal er jetzt mitten in einem großen Trauerhauſe iſt. Da, behalte den Schiller: ich will es ſo. Herr Me⸗ denberg wird ſich wohl ſelbſt bald zeigen, darum iſt es am Beſten, Niemand denkt an das Aergſte; denn iſt es mit den Launen und Thaten der Liebe, mein Kind.“
Der Probſt gab das Paket mit einer ſehr ernſten
und bekümmerten Miene ſeiner Tochter zurück. Marie ließ ihre Eltern gewähren. Doch ward ihr erlaubt, daß ſie zu Hauſe bleiben dürfe. Papa und Mama fuhren ab. Marie ging nach Mamas Kämmerlein, das zu⸗ gleich ihr eigenes war, und wo ihr Schreibtiſch ſtand. In der oberſten Lade befanden ſich ihre Bücher nebſt einem Potpourri von Lavendel und getrockneten Ro⸗ ſenblättern. Da ſie wenige Bücher beſaß, ſo enthielt die Lade noch gar viel andere Dinge wie zum Bei⸗ ſpiel: Krauſen, Bänder, Hauben, Sonntagshandſchuhe und das feinſte Garn in Knäueln.
Ehe ſie ihr geliebtes Buch wieder hinein legte, ſchlug ſie die Seite auf, wo ſie zuletzt geleſen hatte. Man kann ſagen, daß dieſe Seite eher zu Anfang des Buches, als an deſſen Ende war; denn die Tochter


