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Seele ſtand der Gedanke feſt und aufrecht, ſich durch keinerlei kindliche Bewegungen zu einem Lebensberufe hin⸗ drängen zu laſſen.„Ich habe Pflichten gegen mich ſelber und muß ſelber für mich einſtehen,“ ſagte er zu ſich.„In den Tod könnte ich gehen, um meiner Mutter zu willfah⸗ ren, aber ein Leben, deſſen tiefſte Wurzel der innerſte Beruf ſein muß, kann und darf ich nicht über mich nehmen.“
In der Nacht aber erwachte Jvo plötzlich, es war ihm, als ob er durch einen Schrei ſeiner Mutter aufgeweckt wor⸗ den wäre; er richtete ſich in ſeinem Bette auf, und jetzt gedachte er, welch' einen hohen, heiligen Beruf er zu ver⸗ laſſen gedenke, die ganze Herrlichkeit des geiſtlichen Amtes ſtand vor ſeiner Seele: ein liebender, tröſtender, hülfreicher Freund der Armen und Bedrängten, ein Vater der Waiſen und Verlaſſenen, ein Spender des Lichts und des Heils in allen Seelen; er ſah über alle die theologiſchen Satzungen weg, ja er gedachte mitzukämpfen den heiligen Kampf der Befreiung von Aberwitz und Menſchenſatzung und den kommenden Geſchlechtern das reine Licht des Himmels zu ſichern, er kämpfte alle Erdenluſt und alle Selbſtſucht in ſich nieder, er wollte leben für Andere und für die andere Welt— kein Tag ſollte vorübergehen, an dem er nicht eine Seele erquickt, ein Herz erfreut.
„Wo ein armes Erdenkind in trüͤbem Harme weint, da will ich ſein Wehe in mein Herz aufnehmen und es darin auskämpfen laſſen. Ich will die Thränen der Trauern⸗ den trocknen, und du, o Herr! trockne die Thränen von meinem Antlitze, wenn mein Geiſt erlahmt und ich nichtlic weine über mein armes verlaſſenes Leben!“
So ſprach Jvo vor ſich hin, und ihm wär ſo leicht und frei, es war ihm, als ob er, aller irdiſchen Schwere entbunden, ſich jetzt hinaufſchwingen müſſe zum Urquell der Seligkeit; und dann fühlte er ſich wieder ſo ſiegesmuthig, ſo kraftdurchſtrömt, als müſſe er ſich plötzlich in das heißeſte Gewühl der Schlachten ſtürzen; entzückt dachte er


