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Jvo kehrte ſich ab und verließ lautlos ſeinen Freund.
Still und gedankenvoll ging Jvo lange Tage umher: die volltönendſte Saite ſeiner Seele war in ſchrillem Miß⸗ klange zerriſſen, er hatte eine ſchöne Liebe begraben, ſeine Trauer war tief und namenlos.— Jetzt auch, da er ein Ertrem der Glaubensſchwärmerei vor ſich geſehen hatte, regten ſich viele halbſchlummernde Zweifel und Bedenken lebhafter, er war„zwiefach elend,“ wie Clemens verheißen, aber er konnte ſich nicht retten.
Der Horber Kaplan war als Profeſſor nach Tübingen gekommen, er hatte noch immer eine gewiſſe Vorliebe für Jvo, dieſer ſchloß ſich ihm inniger an und eröffnete ihm die Marter ſeiner Seele.
Sonderbar! gerade über die Jungfrau Maria wagte Jvo die meiſten Bedenken. Er fragte zuerſt, ob ſie„eine Heilige, auch allgegenwärtig ſei,“ da man doch überall zu ihr bete. Der Profeſſor ſah ihn etwas betroffen an, dann ſagte er:„Der Begriff der Gegenwart iſt ein bloß menſch⸗ licher, den körperlichen Dingen entnommen, cigentlich nur für ſie geltend; indem wir das Wörtchen„all“ zu„gegen⸗ wärtig“ hinzuſetzen, wollen wir nur die Geſammtheit des Daſeins zuſammenfaſſen, wir glauben nun dadurch einen neuen Begriff zu gewinnen, in der That aber haben wir keinen. Wie wir überhaupt nichts Ueberirdiſches, als ſolches, in Begriffe faſſen können, iſt alſo das Daſein eines Geiſtes durch den Begriff der Gegenwart gar nicht meßbar. Wir faſſen überhaupt alles Ueberirdiſche nicht durch den Begriff, ſondern durch den Glauben.“
Jvo befriedigte ſich vollkommen bei dieſer Antwort, ſchüchtern wagte er noch die Frage: wie man von der Jung⸗ frau Maria ſprechen könne, da doch in der Bibel Brüder Chriſti erwähnt würden.
DerProfeſſor erwiederte:„Das griechiſche Wort ciꝗeos*)
*) Bruder.


