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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
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Leben, drei Söhne und zwei Töchter. Das jüngſte Kind war Vefele. Es war ſo ſchön und zart gebaut, daß man es, halb ſpöttiſch, halb anerkennend, das„Fräle“ hieß. Halb aus Mitleid, halb aus Schadenfreude bemerkte faſt Jeder, wenn von ihm die Rede war, es ſei eben doch eine„Ge⸗ zeichnete,“ denn es hatte den kurzen Fuß von der Mutter geerbt. Mit dem Ausdruck„Gezeichnet“ verbindet ſich ein ſchlimmer Nebenbegriff; man nennt die Rothen, Buck⸗ ligen, Einäugigen, Hinkenden ſo, und will damit ſagen, daß Gott ſie damit gezeichnet habe, weil ſie gewöhnlich gefährliche und ungutmüthige Menſchen ſeien. Weil man nun ſolche Unglückliche ſpöttiſch und argwöhniſch behan⸗ delt, werden ſie meiſt ſchalkhaft, bitter und hinterliſtig; das anfänglich ungerechte Vorurtheil ruft die Folgen hervor, die es dann als Beſtätigung für das Vorurtheil annimmt.

Das Vefele that zwar Niemanden etwas zu Leide, ja es war gut und freundlich gegen alle Menſchen; aber der Haß des ganzen Dorfes gegen den Schloßbauer wurde auch auf alle ſeine Kinder ausgedehnt.

Der Schloßbauer prozeßte ſchon ſeit achtzehn Jahren mit der ganzen Gemeinde. Er machte auf die patronats⸗ herrlichen Rechte Anſpruch, er bezog den Rauchhafer, Hühnerhafer, Weghafer, und wie alle die grundherrlichen Abgaben heißen; auch hatte er fünfzig Stimmen bei der Schultheißenwahl. Nur mit dem tiefſten Aerger, mit Schelten und Schimpfen entrichteten die Bauern dieſe ihre gewohnten Abgaben.

So ſind die Menſchen! Einem Grafen, Baron oder Freiherrn hätten ſie ohne Widerrede Alles entrichtet; aber jetzt verfluchten ſie jedes Körnchen, das ſie an einen ihres Gleichen abgeben mußten. Sie wußten ſich nicht anders zu rächen, als daß ſie dem Schloßbauer Nachts ſeine Korn⸗ felder niedermähten, wenn das Korn noch grün war. Das gereichte aber zu ihrem doppelten Nachtheil, denn der Schloßbauer brachte es durch Klagen beim Syndikatsamte dahin, daß der ihm zugefügte Schaden— da die Thäter nicht entdeckt wurden— auf den Gemeindeſchaden geſtellt

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