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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
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heißt das große Haus noch immer„des Schloßbauern Haus;“ denn der alte Zahn, der Vater Vefele's, wurde der Schloßbauer genannt. Er war nicht aus dem Dorfe gebürtig, ſondern aus dem zwei Stunden entfernten Baiſin⸗ gen herübergezogen. Baifingen gehört zu dem kornreichen ſogenannten„Strohgäu,“ und die Baiſinger werden ſpottweiſe„die Strohgänger“ genannt, weil im ganzen Dorfe faſt alle Gaſſen mit Stroh beſtreut ſind. Dieß dient ſowohl dazu, um der Mühe der Straßenreinigung überhoben zu ſein, als auch, um auf dieſe Weiſe in dem zertretenen Stroh neuen Dünger zu gewinnen, denn die Baiſinger haben ſo viele Aecker, daß ſie deſſen nicht genug habhaft werden können. Dreißig Jahre wohnte der Schloß⸗ bauer im Dorfe, aber ſo oft er einen Streit hatte, wurde er der Baiſinger Strohgänger und ſeine Frau die krumme Baiſingerin geſchimpft. Die Frau Zahn war aber keines⸗ wegs krumm, ſie war noch in ihrem Alter eine ſchöne ſchlanke Frau mit gerader Haltung; nur war ihr linker Fuß etwas zu kurz, und daher kam's, daß ſie beim Gehen hinkte. Dieſer Körperfehler war aber auch mit die Urſache ihres ungewöhnlichen Reichthums. Ihr Vater, Staufer mit Namen, ſagte einmal öffentlich im Wirthshauſe, daß der kurze Fuß ſeiner Tochter nichts ſchade, er ſtelle als Heiraths⸗ gut ein geſtrichenes Simri Kronenthaler darunter, und da wolle er ſehen, ob das nicht gerade mache.

Der alte Staufer hielt Wort, und als der Zahn deſſen Tochter heirathete, ließ er ihn ein Simri mit Kronen⸗ thaler füllen und ſo viel hineinthun, als hineinging; drauf ſtrich er mit dem Streichbengel darüber und ſagte: „So, was drin iſt, iſt dein!“ Seine Tochter mußte zum Spaß ihren linken Fuß darauf ſtellen, und das mit dem Gelde gefüllte Kornmaß prangte als ſchöne Schüſſel auf dem Hochzeitstiſche.

Der Zahn kaufte ſich bald darauf mit dem Gelde das gräflich Schleitheimiſche Schloßgut, er baute ſich das ſchöne große Haus, und darum hieß er der Schloßbauer. Von neun Kindern, die ihm geboren wurden, blieben fünf am

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