374
falſchem Karate aufheben. Entſetzt rief ich: laß es! laß es ſein! Ich zog meinen eigenen Ring vom Fin⸗ ger und warf ihn Dir nach, ſo weit— ſo weit ich es vermochte. Ich ſah nichts mehr; aber als ich erwachte, war der Ring von meiner Hand weg. Ich glaube, daß ich während dieſes Geſichtes im Traume ging und den Ring wegwarf; aber wohin? Keines von den Dienſt⸗ leuten fand ihn, ungeachtet der genaueſten Nachforſchung in allen Zimmern. Kannſt Du mir verzeihen, Auguſt?“
Hillner ſaß in wunderbaren Betrachtungen über die vergangenen Jahre vertieft; er reichte ſeiner Gattin die Hand.„O Sophie, ich bin es, der Dich um Gottes Willen um Verzeihung zu bitten hat. Ach, wenn Du wüßteſt, wie wahr Du geträumt haſt! Kannſt Du mir verzeihen?“
„Doch möchte ich ſo gern einen Ring an Deinem Finger ſehen,“ fuhr er nach einer Pauſe fort.„Mein Herz will dieſe Freude nicht entbehren, aber einen neuen machen laſſen— unmöglich! und wo iſt der alte? Was wollte ich nicht darum geben, wenn ich ihn wieder ſe⸗ hen dürfte!“
Sophie trat zu ihrem Gatten hin und hob ihre linke Hand empor; ſo weiß und unſchuldig ſah nie eine Hand aus„Kannſt Du Dich auch ohne Ring mit ihr vertragen? Ich kann nichts davor— ich kann nichts davor,“ ſagte fie.
Auguſt Hillner ſchloß ſie in ſeine Arme. Die Fa⸗ milie verſammelte ſich gegen Abend wie gewöhnlich. Leben und Luſt erwachte im Saale zu Lanutofta; aber Hillner vergaß Malcolm eine Lektion für den morgen⸗ den Tag aufzugeben. Er ſetzte ſich nieder und las aus einem von Sophie's Lieblingsbüchern vor.
Die Tage vergingen. Aber oft ſeufzte Auguſt Hillner im Stillen, wenn er die Augen auf die Hand ſeiner Gattin warf.
Gegen Ende des Frühjahrs nahm man ſich vor, Reiſen zu machen. Dieß iſt ungemein geſund. Es


