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Der wandernde Schatten oder die Mahnung aus der Todtengruft : und andere Geschichten aus dem Mittelalter / von I. Albiny
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ihre Gedanken und Gefuͤhle und ihre Sterbekleider. Mit Belhulfe ihres Be⸗ rathers, des ehrlichen Oldenburgers, be⸗ reitete ſie ſich zuvoͤrderſt ſorgfaͤltig auf ih⸗ ren Tod, verzieh allen ihren Feinden, be⸗ reute nochmals alle ihre Suͤnden, und verſoͤhnte ſich mit Gott. Jetzt forderte ſie ihr Sterbekleid, welches ſie vor ſich hin auf den Tiſch legte und die wenigen Um⸗ ſtehenden bat, ſie nach ihrem Hinſcheiden damit zu bekleiden. Zwei Tage darauf verſchied Anna, die verfuͤhrte und durch harte Strafen verbeſſerte Herzogin. Sie ſtarb ſtandhaft, ruhig, vom Geiſt der Re⸗ ligion geſtaͤrkt zur letzten wichtigſten Stunde.

Wehmuͤthige Thraͤnen zollte ihr der Menſchenfreund, der dem Verirrten gern den rechten Weg zeigt, und dem Strau⸗ chelnden ſeine Hand beut; nur der ſtolze Heuchler, der mit Tugend prahlt, die er nicht beſitzt, ging laͤſternd voruͤber, und ſtreute Diſteln und Dornen auf Anna's