der Königin Anna. 147
„Wenn Eure Majeſtät mich nur dazu ermächtigen wollte, ſo ſoll es gleich geſchehn,“ ſagte Bolingbroke.
„Friede! Friede! Mylord! ich bitte Sie,“ ſagte Anna. „Sie ſcheinen mich alle zu mißachten.“
„Eure Majeſtät fieht, wie viel Achtung Ihre Freunde Ihnen erweiſen!“ ſagte Orford beißend.
„Sie ſind einer, wie der andere,“ rief die Königin angegriffen.
„Welche Verbrechen werden mir zur Laſt gelegt?“ fragte Orford, indem er die Königin anredete.
„Ich will es Ihnen ſagen,“ erwiederte Bolingbroke. „Ich klage Sie der Doppelzüngigkeit, der Hinterliſt, des Verraths und der Falſchheit gegen die Königin, gegen mich und gegen das ganze Kabinet an. Ich werfe Ihnen vor, daß Sie auf der einen Seite dem Kurfürſten von Hannover und auf der andern dem Prinzen Jakob Hoffnungen machen. Ich klage Sie an, daß Sie mit Marlborvugh Ränke ſchmie⸗ den,— ſich die öffentlichen Gelder aneignen—“
„Dieſe Klagen müſſen begründet werden, Mhlord,— müſſen bewieſen werden,“ unterbrach ihn Orford, indem er auf ihn zutrat und ſeinen Degen berührte.
„Sie ſollen begründet und bewieſen werden, Mylord,“ erwiederte Bolingbroke hochmüthig und verächtlich.
„Bolingbroke, Sie find ein Schurke,— ein nichts⸗ würdiger Schurke!“ rief Orford, indem er alle Geduld ver⸗
lor und ihm mit dem Handſchuh ins Geſicht ſchlug.
„Ha!“ rief Bolingbroke außer ſich vor Wuth und zog den Degen halb aus der Scheide.
„Mylords!“ rief die Königin, indem ſie ſich mit Würde erhob,„ich befehle Ihnen, ſich zu mäßigen. Dieſer Auftritt wird mich umbringen,— oh!“ Und ſie ſank erſchöpft wieder hin.
„Verzeihung, gnädigſte Frau,“ rief Bolingbroke, indem
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