der Königin Anna. 145
war breiter und hinfälliger geworden, ihre Stirn finſter, ihre Geſichtszüge aufgedunſen und leichenhaft und ihre Augen matt und mit Blut unterlaufen. Sie verſuchte kaum, eine würdevolle Miene anzunehmen, ſondern hatte ganz das Aus⸗ ſehn einer bettlägerigen Kranken. Auf dem Tiſch neben ihr ſtand ein von ihrem Arzt, Sir Richard Blackmore, verſchrie⸗ bener Trank, von dem ſie gelegentlich zu ſich nahm.
Weder von dem augenſcheinlichen Unwohlſein der Kö⸗ nigin, noch von Gefühlen der Dankbarkeit und Ehrfurcht bewegt, trat Orford raſch näher, warf einen herausfordern⸗ den Blick auf ſeine Gegner und ſagte mit hochfahrendem Ton und leichter Kopfneigung:„Eure Majeſtät hat mir befohlen, den Stab zu bringen. Hier übergebe ich Ihnen denſelben.“ Und bei dieſen Worten legte er ihn mit einiger Heftigkeit auf den Tiſch.
„Mylord!“ rief Anna,„dieſe Unart!“
„Lord Oxford hat die Maske abgeworfen,“ ſagte Bo⸗ lingbroke;„Eure Majeſtät ſieht ihn jetzt in ſeinem wahren Licht.“
„Es ſoll nicht an mir liegen, Bolingbroke,“ erwiederte Orford bitter,„wenn Ihre Majeſtät,— ja, und die ganze Nation,— Sie nicht in Ihrem wahren Lichte ſieht. Und Sie ebenfalls, Madame,“ wandte er ſich an Lady Masham, „die Welt ſoll erfahren, welche Künſte Sie gebraucht haben.“
„Wenn ich je Künſte angewandt habe, Mylord Orford. ſo habe ich ſte von Ihnen gelernt,“ verſetzte Lady Masham, „Sie vergeſſen, welche Anweiſungen Sie mir in Betreff der Herzogin von Marlborvugh gegeben haben.“
„Nein, Schlange! ich vergeſſe es nicht,“ rief Orford, der ſeine Wuth nicht mehr bezähmen konnte,„ich vergeſſe nicht, daß ich Sie als Kammerfrau vorfand; ich vergeſſe nicht, daß ich Sie als Werkzeug gebrauchte, um die Gunſt der Königin zu gewinnen,— als bloßes Werkzeug,— nichts
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