132 Wie der Geiſt des Sergeanten
daß der Kellermeiſter es für nöthig hielt, ihr ſeinen Arm um die Hüften zu legen, um ſie zu ſtützen, jedoch ſeine eige⸗ nen Beſorgniſſe hielten ihn nicht davon ab, ihr einen Kuß zu rauben,— eine Ungebührlichkeit, welche den Blicken ihres Gatten entging, da man kein Licht mitgenommen hatte. Alles war ſtill, denn der Trommelſchlag hatte aufgehört. Als ſie vor der Stubenthür ankamen, hielt Proddy einen Augenblick an. Es war ein ſpannungsvoller Moment und Miſtreß Tipping erklärte, daß ſie einer Ohnmacht nahe ſei.
Nach kurzem Verzuge ward die Thür geöffnet und allen Zuſchauern entfuhr ein Schrei des Entſetzens, als ſie den Sergeanten im Hintergrunde des Zimmers erblickten. Dort ſtand er, aufrecht wie während ſeines Lebens, in voller Uniform, mit ſeinem dreieckigen Hut auf den Kopf, ſeinem Säbel an der Seite und einen Trommelſtock in der Hand. Vor ihm auf ſeinem dreibeinigen Holzſtuhl ſtand die Trom⸗ mel. Das ſchwarze Pflaſter auf ſeiner Naſe war noch ſicht⸗ bar, eben ſo das andre auf ſeiner Stirn. Eine Lampe, die in einer Ecke verſteckt war, warf einen geſpenſtiſchen grünen Schimmer auf ſein Geſicht. das er mit Kreide weiß gemacht hatte.
Beim Anblick dieſes furchtbaren Geſpenſtes erhoben alle Zuſchauer einen einſtimmigen Schreckensſchrei. Miſtreß Tipping knirſchte laut auf und warf ſich dem Kutſſcher in die Arme, während Madame Bimbelot in die des Keller⸗ meiſters ſank, der ſie ſo ſchnell als möglich nach der Be⸗ dientenſtube davontrug.
Mitten unter dieſer Verwirrung ſchlug das Geſpenſt auf die Trommel.
Ra— ta— tam!
„Was verlangen Sie?“ fragte Proddy.
Ra— ta— ta— ta—r—r—r—r— ra- ra!


