126 Wie der Geiſt des Sergeanten
war ſehr auffallend mit einem blau und ſilbernen Sack bekleidet, ſtark geſchminkt, und trug ihren Hals ſehr bloß, der wie ihre Wangen mit Schönpfläſterchen beſäet war. Ihre Ge⸗ ſichtszüge waren fein und ausnehmend hübſch, ihr Mund neigte ſich zum Wollüſtigen und ihre Augen waren hell und ſchmachtend. Ihr Haar war gepudert und nach der tete- de-mouton-Mode frifirt. Als Proddy ſie anſah, meinte er ſie ſchon geſehn zu haben, aber er konnte ſich nicht erin⸗ nern, wann oder unter welchen Umſtänden. Herr Parker brauchte Madame Bimbelot nicht lange zu nöthigen. Sie aß von allem, was ihr angeboten ward,— kalte Hühner, Schinken, Wildpaſtete, eingemachte Auſtern, geröſteten Käſe, Fiſchrechauffen; und als der Kellermeiſter ſelbſt ſchon glaubte, ſie müßte genug haben, bat fie noch um ein Stückchen Pö⸗ kelfleiſch,— es ſähe ſo einladend aus,— und verzehrte einen ganzen Teller voll. Trotz dieſes unmäßigen Appetits übten ihre Reize einen ſichtbaren Einfluß auf Herrn Parker, und er ging, ohne ein Wort zu ſagen, hinaus, um einen auserleſenen alten Madeira zu holen, den er in einem be⸗ ſondern Schrank in der Vorrathskammer aufbewahrte. Er kehrte mit einer Flaſche unter jedem Arm wieder, entkorkte die eine und ſchenkte ein Glas für Madame Bimbelot voll, welche ſeine Zuvorkommenheit mit einem zärtlichen Blick belohnte und es im Umſehn leerte, worauf ſie es ihm wie⸗ der zum Füllen hinhielt. Parker befriedigte galant ihren Wunſch, trank ein Glas auf ihre Geſundheit und ließ die Flaſche herumgehn. Die Wirkung dieſes edlen Weins auf die Geſellſchaft war zauberhaft. Alle Zungen löſten ſich auf einmal und die Unterhaltung ward laut und allgemein. Selbſt Bimbelot faßte wieder Muth und wagte einen flehen⸗ den Blick auf Miſtreß Tipping, die jedoch keine Notiz von ihm nahm, ſondern ihre bezauberndſten Mienen für Proddy aufbewahrte. Nur eine Perſon unter dieſer geräuſchvollen


