den goldenen Schlüſſel ausliefert. 109
„Sagen Sie ihr,“ fuhr ſie fort,„daß ſie ihr Wort gebrochen hat,— ein Vorwurf, der keinen ihrer königlichen Vorgänger trifft. Sagen Sie ihr auch, daß die Liebe und Ehrfurcht, die ich einſt gegen ſie hegte, ſich in Haß und Verachtung verwandelt haben.“ Und ſie ſchritt mit trotzigem Blick aus dem Zimmer.
„Iſt ſie fort?“ rief die Königin, die Thür halb öff⸗ nend und furchtſam hineinblickend.
„Ja, Madame,“ antwortete Miſtreß Masham und hob den Schlüſſel auf,„und ich freue mich, daß fie dies hiek gelaſſen hat. Endlich ſind Sie auf immer von ihr befreit.“
„Dem Himmel ſei Dank!“ rief Anna.
„Gefällt es Eurer Majeſtät, den Schlüſſel zu ſich zu nehmen?“ ſagte Miſtreß Masham.
„Behalten Sie ihn,“ erwiederte Anna.„Von jetzt an find Sie Verwalterin der Privatſchatulle. Die Herzogin von Somerſet ſoll Oberkammerdienerin werden. Aber ich behalte mir noch Beſſeres für Sie vor. Die Herzogin von Marlborough ſoll Sie nicht ungeſtraft ſo beleidigen. Bei der nächſten Gelegenheit werde ich Ihrem Gemahl eine Pairie verleihen.“
„Die Herzogin ſagt, daß Sie Ihr Wort nicht halten, Madame,“ rief Miſtreß Masham;„aber ich finde ganz das Gegentheil.“
„Es iſt der Herzogin eigne Schuld, daß ich es bei ihr nicht gehalten habe,“ verſetzte Anna.„Ich habe ſie einſt eben ſo geliebt, wie Sie, Masham,— ja, noch mehr.“
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