108 Wie die Herzogin
Sopha und rief:„Keine Ruhmesſtrahlen können ein Leben ſ. verſchönern, das von ſolchen Stürmen wie dieſe getrübt wird.“ Immer noch unter dem Einfluſſe ihrer Aufregung, langte die Herzogin im Pallaſte an. Trotz allem Widerſtande, drängte ſie ſich bis zum Vorzimmer des Kabinets durch und Anna, die zufällig dort war, hatte kaum Zeit, ſich ſchleu⸗ nigſt zu entfernen, ehe ſie eintrat. Sie fand Miſtreß Mas⸗ ham allein, welche nur mit Mühe ihre Aufregung ver⸗ bergen konnte.
„Wo iſt die Königin?“ fragte ſie dieſe.
„Sie iſt nicht hier, wie Sie ſehn,“ erwiederte Miſtreß Masham.„Aber ich muß in ihrem Namen fragen, was dieſe ſeltſame und höchſt unverantwortliche Zudringlichkeit bedeuten ſoll.“
„Alſo find Sie die Stellvertreterin der Königin, Elende,“ rief die Herzogin.„Man muß geſtehn, daß die Majeſtät von England wohl vertreten iſt. Aber ich will mich nicht mit Ihnen zanken. Ich wünſche in das Kabinet zu treten, um mit der Königin zu ſprechen.“
„Sie dürfen nicht eintreten,“ erwiederte Miſtreß Mas⸗ ham und ſtellte ſich vor die Thür.
„Unterfangen Sie ſich, mich daran zu hindern?“ rief die Herzogin.
„Ja, ich unterfange mich deſſen,“ erwiederte Miſtreß Masham,„und wenn Sie noch einen Schritt näher kommen, ſo werde ich die Wache rufen und Sie fortbringen laſſen. Ihre Majeſtät will Sie nicht ſprechen.“
Die Herzogin machte eine Miene, als käme ſie auf einen Gewaltſtreich, aber endlich überwältigte ſie ſich mit mächtiger Anſtrengung. Sie warf einen Blick voll unausſprechlicher Verachtung auf Miſtreß Masham und ſagte:„Ihre Gebie⸗ terin hat den Schlüſſel von mir verlangt. Bringen Sie ihn ihr.“ Und bei dieſen Worten warf fie ihn hin.


