Eine vertrauliche Unterredung
viſchen Geſchöpfs nachahme? Wollen Sie, daß ich auf jede kindiſche Klage, jeden Einfall, jede Grille achte,— oder Mitgefühl heuchele, wo ich keins empfinde? Wollen Sie, daß ich bitte, wo ich befehlen kann,— kniee, wo ich ſitzen kann,— gehorche, wo ich mir Gehorſam verſchaffen kann?“
„Nein,— aber, Madame,“ ſagte der Herzog,„die Pflichten gegen Ihre Königin laſſen das als gebührende Huldigung und Ehrfurcht erſcheinen, was gegen eine andre Kriecherei und Schmeichelei ſein würde.“
„Ich werde es nie an Treue und Ergebenheit gegen die Königin fehlen laſſen,“ entgegnete die Herzogin,„und wie mein Rath auch ausfallen mag, ſo wird er immer mit ihrer Ehre beſtehen können. Ich kann mir nicht den Vor⸗ wurf machen, jemals etwas ihre Stellung oder das Wohl des Landes Schmälerndes in Vorſchlag gebracht zu haben, und in dieſer Ueberzeugung werde ich ſo zu handeln fort⸗ fahren, wie ich angefangen habe. Ich kann ihre Zuneigung verlieren, aber ich will nie in meiner eigenen Achtung verlieren.“
„Ich weiß, daß Sie eine hochſinnige Frau find, Ma⸗ dame,“ erwiederte der Herzog,„und daß alle Ihre Hand⸗ lungen von den beſten und edelſten Grundſätzen ausgehen, aber doch kommt es mir vor, daß Sie die Zuneigung der Königin viel ſtärker feſſeln könnten, ohne Ihrer innern Würde oder Selbſtachtung etwas zu vergeben.“
„Eure Durchlaucht irrt ſich in der Königin ganz und gar,“ verſetzte die Herzogin ungeduldig,„und wollte ich ihren Launen nachgeben oder ihren Meinungen beipflichten, ſo würden die Sachen noch weit ſchlimmer ſtehen, als jetzt. Anna iſt eine von den Perſonen, die unausbleiblich irren, wenn man ſie ihren eigenen Weg gehn oder nach ihren eigenen Eingebungen handeln läßt. Ohne Thatkraft und Entſchloſſenheit iſt ſie ſo kurzſichtig, daß ſie nur die in ihrer unmittelbaren Nähe befindlichen Dinge unterſcheiden kann,
*


