in Marlborough⸗Haus. 35
„Nein,“ antwortete der Herzog.„Wie ein ſchlechter Schachſpieler ſuchte er ſeine Unüberlegtheit wieder gut zu machen, und gab ſich dadurch nur noch mehr Blößen. Aber wer der Königin außer ihm Geſellſchaft leiſtete, konnte ich nicht herausbringen.“
„So will ich es Ihnen ſagen,“ entgegnete die Herzv⸗ gin;„es iſt unſere Coufine, Abigail Hill.“
„Wie, das Toiletten⸗ und Kammerfräulein?“ rief der Herzog;„wenn das alles iſt, ſo hat es nichts zu ſagen.“
„Es hat mehr zu ſagen, als Eure Durchlaucht ſich vorſtellt,“ erwiederte die Herzogin,„und wenn ich Abigail damals, als ich ſie in die Nähe der Königin brachte, ſo gekannt hätte, wie jetzt, ſo würde ich ihr niemals die Macht gegeben haben, mir zu ſchaden. Wer hätte es denken ſollen, daß ein dem Anſchein nach ſo kunſtloſes Geſchöpf ihre Karten ſo gut ſpielen würde. Aber die ſchlaue Hexe hat die ſchwachen Seiten der Königin ausgefunden, und als ſie ſah, wie fehr ſie die Selavin derer iſt, die ſie zu lieben vorgeben und um ſie ſchwänzeln und ihr wegen ihres Scharfſinnes und Ver⸗ ſtandes ſchmeicheln,— ihr Scharffinn und Verſtand, wahrlich! — ſo hat ſie ſich aller dieſer Mittel bedient, um ihr Ver⸗ trauen zu gewinnen.“
„Wenn ſie es gewonnen hat, ſo können Sie es ihr nicht verdenken,“ erwiederte der Herzog;„und ich kann nicht anders glauben, als daß es beſſer ſein würde, wenn Sie ſelbſt, Madame, die Gemüthsart und die Eigenthümlichkeiten der Königin mehr berückſichtigen wollten.“
„Ich wundere mich, dieß von Eurer Durchlaucht zu hören,“ verſetzte die Herzogin empfindſich.„Wollen Sie, daß ich ihr meine Meinungen opfere, ihr, der ich vorzu⸗ ſchreiben gewohnt bin? Wollen Sie, daß ich Maßregeln billige, wenn ich ſie mißbilligen muß? Wollen Sie, daß ich krieche, betheure und lüge oder die Manieren dieſes ſela⸗


