der Königin Anna im Jahre 1707.— 9 Hill ward bald der Liebling und die Vertraute ihrer könig⸗ lichen Gebieterin.
Viele zufällige Umſtände trugen dazu bei, Fort⸗ ſchritte in deren Gunſt zu beſchleunigen. Voll Erbitterung gegen die Herzogin, welche ſie nach einem geringfügigen Miß⸗ verſtändniß zwiſchen ihnen mit bitteren Vorwürfen verlaſſen hatte, brach die Königin in Abigails Gegenwart in Thränen aus, und dieſe bemühte ſich mit ſo viel Eifer und Erfolg, ſie zu tröſten, daß man ihren Beſitz der königlichen Huld von dieſem Augenblick herleiten darf. Wohlbekannt mit der Eiferſucht und dem Trotz ihres ehemaligen Lieblings, ſuchte Anna ihre wachſende Vorliebe für den neuen ſorgfältig zu verbergen, und ſo blieb der Herzogin das angeſtiftete Unheil ſo lange verborgen, bis es zu ſpät war, es wieder gut zu machen, während Abigail ihrerſeits, obgleich ſie ſchon das Behältniß der geheimſten Gedanken der Königin geworden war und vollkommen die Wichtigkeit ihrer neuen Stellung einſah, doch ſo verſtändig war, alles Prahlen mit ihrem Einfluß zu indem ſie wohl wußte, daß die ge⸗ ringſte Unvorſichtigkeit ihrem aufgehenden Sterne unheil⸗ bringend ſein könnte.
Durch dieſen Kanal wagte Harley jetzt der Königin ſeine Bereitwilligkeit, ſie aus den Banden der Herzogin zu befreien, zu erkennen zu geben, falls ſie geneigt wäre, ihm dieſen Auftrag anzuvertrauen. Aber Anna ſchwankte. Sie fürchtete den Stoß, den die Trennung nothwendig zur Folge haben würde. Und die ruhmreiche Schlacht, welche um dieſe Zeit bei Ramilies gewonnen ward, bewirkte eine wichtige Aen⸗ derung zu Gunſten der Herzogin.
Die ausgezeichnetſte Zierde von Anna's Hofe oder jedes andern Hofes in Europa, ſei es als Feldherr oder als Staats⸗ mann, obwohl natürlich vorzugsweiſe in jener Eigenſchaft, war ohne Widerrede der Herzog von Marlborough. Sein


