—
der Königin Anna im Jahre 1707. 3
Nicht die kleinſte Widerwärtigkeit war ihr der Zuſtand der Abhängigkeit, in welchem die Herzogin von Marlborough ſie hielt. Ihre Freundſchaft für dieſe erlauchte Dame war ſehr frühen Urſprungs und durch den Eifer und die Wärme befeſtigt, welche die letztere bei den Uneinigkeiten zwiſchen Anna, als ſie noch Prinzeſſin von Dänemark war, und ihrer Schweſter, der Königin Marie, an den Tag gelegt hatte. So ſtark ward die Anhänglichkeit der Prinzeſſin an ihren Liebling, und ſo gern legte ſie ihr gegenüber alle Form und Ceremonie ab, und ſetzte ſich mit ihr auf einen Fuß der Gleichheit, daß ſie ſich in ihrem Briefwechſel und Privat⸗ umgange den Namen Miſtreß Morley beilegte, während Lady Marlborough den einer Miſtreß Freeman annahm.
Von herrſchſüchtigem und ehrgeizigem Charakter, ausge⸗ rüſtet mit hohen Geiſtesgaben und einer, wenn ſie nicht durch Leidenſchaft verunſtaltet oder unterdrückt war, geſunden und klaren Urtheilskraft, war die Herzogin von Marlborough, zu welcher Würde ſie unmittelbar nach Anna's Thronbeſteigung im Jahre 1702 erhoben ward, entſchloſſen, kein Mittel zur Erhöhung und Bereicherung ihres Gemahls und ihrer Familie unverſucht zu laſſen. In dieſen Abſichten ward ſie von ihrer königlichen Gebieterin unterſtützt, von welcher ſie außer großen Jahrgehalten auch noch die Hofſtellen einer Oberkammerdame, Garderobemeiſterin und Intendantin des Parks und der Pri⸗ vatchatulle erhielt, während ſie ihren Familieneinfluß durch die Verbindung ihrer älteſten Tochter, der Lady Henriette Churchill, mit Lord Ryalton, dem älteſten Sohne des Lord Oberſchatzmeiſters Grafen von Godolphin; ihrer zweiten Tochter Lady Anna mit dem Grafen von Sunderland, ihrer dritten, Lady Eliſabeth, mit dem Grafen von Bridgewaterz; und ihrer vierten und jüngſten, Lady Marie, mit dem Mark⸗ grafen von Monthermer, der ſpäter durch ihre Fürſprache zum Herzog von Montague ernannt ward, ausdehnte. Deßhalb


