Teil eines Werkes 
1. und 2. Theil (1844)
Entstehung
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Ein Blick auf den Hof und das Kabinet

ward die Marlborough'ſche und Godolphin'ſche Partei von ihren Gegnerndie Familie genannt. Anna's große Freigebigkeit gegen die Herzogin und ihre

beſtändige Beiſtimmung zu derer Meinungen veranlaßten die

letztere zu dem Glauben, daß ſie nur zu bitten brauche, um zu erlangen; daß ſie nur mit Worten zu erdrücken brauche, um zu überzeugen oder wenigſtens ihren Willen zu erreichen. Und eine Zeit lang glückte ihr dieß. Die Gutmüthigkeit der Königin gab ihren Forderungen nach, während ihre Furcht⸗ ſamkeit vor ihren Drohungen zitterte. Dieſe Unterwürfigkeit erkaufte die Herzogin ſich auf Koſten der Achtung ihrer könig⸗ lichen Gebieterin, und als mehr als ein Streit zwiſchen ihnen vorgefallen war, ward es allen, außer der Begünſtigten ſelbſt, klar, daß ihre Gewalt im Schwinden war. Voll blinden Vertrauens auf die Herrſchaft, die ſie über die Königin erlangt hatte, wähnte ſie jedoch ihre Stellung eben ſo feſt⸗ als die der Souverainin ſelbſt, und bot den Ränken ihrer Feinde Trotz.

Vor zwei Jahren hatte ſich eine Koalition zwiſchen Marlborough und Godolphin einerſeits und den Whigs andrer⸗ ſeits gebildet und das Miniſterium war faſt einzig und allein von dieſer Partie geſtützt, der die Königin ſich, trotz ihrer frühern Uneinigkeit mit ihr, beim Zuſammentritt des zweiten Parlaments im Jahre 1705 in die Arme geworfen hatte, in Folge einer von den Tories erlittenen Beleidigung, als der Antrag geſtellt ward, ob die Prinzeſſin Sophie nach England eingeladen werden ſollte. Bei dieſer Gelegenheit ſchrieb ſie an die Herzogin von Marlborvugh:Ich glaube, wir werden uns beſſer als früher vertragen, denn ich erkenne die Dienſte jener Leute an, von denen Sie eine gute Meinung hegen(die Whigs), und will ſie unterſtützen, und ich bin ganz von der Bosheit und Unverſchämtheit der andern über⸗

zngt, gegen dir Sie immer geſprochen haben(der Tories).