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„Viele Monate vergingen bis zur Erfüllung deſ⸗ ſelben. Die italieniſche Rache iſt langſam, aber ſicher. Dem äußeren Scheine nach hatte er ſeine treuloſe Gat⸗ tin vergeſſen. Er ſchloß ſogar Freundſchaft mit ihrem Liebhaber, um ſeinen Plan deſto ſicherer zu verbergen. Inzwiſchen verging die Zeit und die Marquiſin wurde Mutter eines Kindes— des Sprößlings ihres Verfüh⸗ reð⸗
„Großer Gott!“ rief ich;„war das Kind ein Knabe?“
„Ja— aber hören Sie weiter. Meine Erzählung naht ſich ihrem Ende. In einer Nacht, während der Abweſenheit des Engländers, wußten wir uns in das Haus, wo die Marquiſin wohnte, Eingang zu ver⸗ ſchaffen. Wir wanderten von Zimmer zu Zimmer, bis wir zu ihrem Schlafgemache kamen. Sie ſchlief, und ihr Kind an ihrer Seite. Der Anblick machte den Mar⸗ cheſe wahnſinnig. Er wollte das Kind tödten, aber ich hielt ihn zurück. Er gab nach, befahl mir aber, die Thür zu verſchließen. Er näherte ſich dem Bette. Ich hörte ein Raſcheln— einen Schrei. Eine weiße Ge⸗ ſtalt ſprang aus dem Bette. Im nächſten Angenblick wurde das Licht ausgelöſcht— ein Schlag— ein zwei⸗ ter— und Alles war vorüber. Ich riß die Thür auf. Der Marcheſe kam heraus. Der Korridor, wo wir ſtanden, war vom Mondlicht erhellt. Er hatte einen Handſchuh in der Hand— er war in Blut getaucht. Sein Gelübde war erfüllt— ſeine Rache vollſtändig—
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