374 Fünfundachtzigſtes Kapitel.
Der Commerzienrath hatte ſich wie immer Diner und Cham⸗ pagner wohl ſchmecken laſſen und war glückſelig, daß die ver⸗ drießlichen Geſchichten in ſeinem Hauſe ſich wieder anfiengen aufzuklären und daß er Hoffnung hatte, nächſtens wieder ein ſtilles und harmloſes Leben führen zu können. Wenn auch leider alle Bemühungen geſcheitert waren, um ſeine Schwiegertochter Bertha wieder in das Haus ihres Mannes zurück zu bringen, obgleich bis jetzt noch keine Scheidung erfolgt war, ſo hatte er dagegen einen Brief von ſeinem Schwiegerſohn Herrn Alfons in der Taſche, worin ſich Dieſer an ſeine Frau wandte, ſein Un⸗ recht vollkommen einſah und verſprach, bei ſeiner Rückkunft— er hatte nämlich zu ſeiner Zerſtreuung eine kleine Reiſe unter⸗ nommen— ſo viel in ſeinen Kräften ſtände, Alles wieder gut machen zu wollen.
Auch bei dieſem Diner fielen Toaſte, und als das Deſſert aufgeſetzt wurde, ergriff ſogar die Commerzienräthin ihr Glas, nachdem ſie vorher, dießmal mit beiden Händen, auf den 9 getrommelt, und brachte die letzten Tropfen ihres Champagßer⸗ kelches allen Denen zu, welche ihre Nebenmenſchen ohne Reid und Mißgunſt liebten, die, ſtatt gehäſſig die Fehler Anderer auf⸗ zudecken, lieber deren gute Seiten hervorhöben, die dabei Freunde der Wahrheit und Feinde jeglicher Verläumdung ſeien.
Ein Trinkſpruch, zu welchem aus vollem Herzen Amen zu ſagen auch wir uns gedrängt fühlen und mit uns gewiß der größte Theil unſerer verehrlichen Leſer.
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