Teil eines Werkes 
4. Bd. (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

-

Des Jägers Zericht. 373

zurückfuhr und daß er mit zitternden Fingern das Couvert ab⸗ riß. Auch ſchien ihn die Einlage deſſelben nicht zu beruhigen; es war ein einfaches Blatt, auf welchem die Worte ſtanden: Der Baron von Brand gibt ſich die Ehre, Seine Ereellenz den Herrn Polizeipräſtdenten daran zu erinnern, daß er heute Abend erwartet wird und zwar zu einem Whiſt à trois mit dem todten Mann.

Im Hauſe des Commerzienrathes Erichſen hatte man in dieſen Tagen ebenfalls eine Verlobung gefeiert, nicht ſo geräuſch⸗ voll wie die bei Seiner Excellenz dem Kriegsminiſter, aber darum nicht minder herzlich. Zwar ſaß die Räthin auch bei dieſer Ver⸗ anlaſſung ſteif wie immer in ihrer Sophaecke, doch lag über ihren Zügen eine angenehme Weichheit, ihre Augen blickten freundlich und ſie wandte den Kopf häufig nach der rechten Seite, wo Herr Staiger ſaß, an dem die alte Dame ihr beſonderes Wohlgefallen 3 finden ſchien. Der Mann hatte ein ſo gutes, warmes Herz und ehrliches Gemüth, das ſich bei jedem ſeiner Worte kundgab; dabei konnte er ſo angenehm erzählen, und bei dem, was er am heutigen Tage vorbrachte, kam es denn heraus, daß ſeine Eltern mit denen der Commerzienräthin vor langen Jahren in einem ſehr freundſchaftlichen Verhältniß geſtanden, was zu vernehmen der Madame Erichſen nicht gerade unlieb war.

Maͤrianne hatte ſich der Verlobten ihres Bruders herzlich und innig angenommen und liebte ſie ſchon nach den erſten Tagen ihrer Bekanntſchaft wie eine Schweſter. Ja, ſie hatte der Com⸗ merzienräthin erklärt, da ſie ſelbſt keine Kinder habe, ſo wolle ſie ſich des guten armen Mädchens annehmen und mache ſich ein wahres Vergnügen daraus, derſelben eine glänzende Ausſteuer zu geben.

*

8