364 Fünfundachtzigſtes Kapitel.
augenblicklich in die Stadt zurück. Der Herr Baron begrüßte mich freundlich, befahl, auf der Chauſſee nach der erſten Station zu fahren, und ſtieg eilig in den Wagen.“
„Wie war er gekleidet?“ fragte aufmerkſam der Graf.
„Ueber dem gewöhnlichen Anzug trug er einen weiten Rad⸗ mantel und auf dem Kopfe hatte er einen kuͤnden Hut.“
„Und war bewaffnet?“
„Ja, Euer Erlaucht, mit zwei Piſtolen.“
Der Graf warf ſeinem Freunde einen bezeichnenden Blick zu und ſagte hierauf:„Und ſonſt war Niemand dabei?“
„Niemand.— Ich ſtieg auf den Bock und wir fuhren da⸗ von. Die Poſtillone, denen ein gutes Trinkgeld verſprochen war,
ließen tüchtig laufen, ſo daß wir bald die Station erreichten.
Dort wurde umgeſpannt und wir fuhren weiter.
„Aha! nach Königshofen,“ ſagte kopfſchüttelnd der Major. „Es iſt das der gewöhnliche Ort.
„In Königshofen,“ erzählte der Jäger weiter,„begab ſich der Herr Baron in das dortige Wirthshaus, ließ ſich ein Zimmer geben, befahl mir darauf zu Bette zu gehen, ihn aber heute Morgen vor Tagesanbruch zu wecken. Ich verabſchiedete die Poſtillone, mochte aber nicht ſchlafen gehen, vielmehr ſchritt ich Stunden lang um das Haus herum, und bemerkte wohl, daß in dem Zimmer des Herrn Baron immerfort ein helles Licht brannte. Er war ebenfalls nicht zu Bette gegangen, denn als ich, dem Befehle gemäß, vor Tagesanbruch ſeine Thüre öffnete, ſaß er an ſeinem Tiſche und ſiegelte Briefſchaften zu.— Ah! du biſt ſchon da! rief er mir entgegen; die Zeit iſt ſchnell verſtrichen.—— Ich habe mich bemüht, Erlaucht, ſeine Worte meinem Gedächtniſſe feſtzuhalten; es ſchien mir das wichtig,“ ſagte der Jäger in beſtimmtem Tone.—„Der Tag fing an zu


