Des Jägers Bericht
„Und er?“ fragte der Major nach längerem Stillſchweigen.
Der Graf zuckte die Achſeln, während ein düſterer Schatten über ſeine vorhin ſo freundlichen Züge flog.„Das iſt ein räth⸗ ſelhafter Menſch,“ ſagte er nach einer Pauſe.
„Für dich und Steinfeld wohl nicht ſo ſehr als für uns Andere,“ meinte lächelnd der Major.„Aber ich achte euer Ge⸗ heimniß. Ich mag den Baron wohl leiden. Coeur de rose iſt nicht ſo übel.“
Bei dieſen Worten trat der Kammerdiener leiſe in den Salon, blieb dort ſtehen, bis die Blicke des Grafen auf ihn fielen, dann ſagte er mit leiſer Stimme:„Soeben iſt der Jäger zurückgekommen und wünſcht Euer Erlaucht ſprechen zu dürfen.“
„Darauf bin ich begierig!“ rief der Graf, indem er auf⸗ ſprang.„Er ſoll augenblicklich hereinkommen. Bleibe nur,“ wandte er ſich an den Major, der ſich ebenfalls erheben wollte. „Ich will in dieſer Sache keine Geheimniſſe vor dir haben. Was mir der Jäger zu ſagen hat, iſt für uns alle ſehr ernſt und wichtig und betrifft den, von welchem wir eben ſprachen.“
„Den Baron von Brand?“
Der Graf nickte mit dem Kopfe und fuhr fort:„Er hat mich geſtern um meinen Jäger gebeten; ich weiß nicht, weßhalb er zu dem Rencontre von ſeinen eigenen Leuten Niemand nehmen wollte.“
„Zu welchem Rencontre?“ fragte überraſcht der Major.
„Mit Herrn von Dankwart. Es ſcheint, ſie haben ſich heute geſchoſſen.“
„Das iſt ſeltſam,“ meinte der Major kopfſchüttelnd;„ich habe Herrn von Dankwart geſtern Abend noch geſprochen, von
der betreffenden Angelegenheit verſicherte er mich gerade das Gegentheil.“


