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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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mals, wo die Pilgerkaravane ausgezogen. Das Volk Kairos feierte nämlich große Feſte zur Feier der Thronbeſteigung ihres neuen Kalifen Almanſors, deſſen Güte und Großmuth bei allen älteren Leuten noch in friſchem Andenken ſtand und den deshalb Alt und Jung auf das Herzlichſte liebte.

Daher war auch alles Volk nicht wenig begierig, ſeinen Sohn, den Prinzen Abdallah zu ſehen, und eine große Menge Reiter kam ihm ſchon weit vor der Stadt entgegen, denen ſich eine unzählige Menge Volks anſchloß, welche die Ankommenden im Triumph zu dem Thor begleitete. Auf den Straßen ſtand das Volk in dichten Haufen und rief dem Prinzen Abdallah, ſowie dem Oberſchatzmeiſter Muſtapha ihre freudigen Grüße entgegen.

Der Prophet ſei gelobt! riefen die Männer,und Gott ſei geprieſen, daß er dem Kalifen einen Sohn geſchenkt, der durch ſeine Klugheit und Umſicht einen ſo würdigen und tapferen Mann rettete, wie Muſtapha, der Oberſchatzmeiſter iſt.

Gelobt ſei der Prophet! ſchrieen die Weiber an den Fenſtern, indem ſie ihre langen Schleier herabflattern ließen,gelobt ſei der Prophet, daß er den Prinzen Abdallah glücklich heimbegleitete. Seht was für ein ſchöner Mann es iſt und wie ſetattlich er zu Pferde ſitzt!

So gerührt auch die Ankommenden bei dieſer Freude des Volks waren, ſo hielten ſie ſich doch nicht länger in den Straßen auf, als eben nöthig war, um durch die dichte Volksmenge zu dringen, und begaben ſich gleich nach dem Palaſte des Oberſchatzmeiſters, wo ſie alsbald neue Pferde beſtiegen, um ſich zur Burg des Kalifen zu be⸗ geben, der ſie erwartete. Abdallah beſtand darauf, daß auch Zemire bei der Begrüßung ſeines Vaters nicht fehlen dürfe, weshalb alle Drei nach dem Serail ritten, in deſſen Thor ihnen zahlreiche Sclaven entgegen kamen, die ſie nach den Gärten führten, wo ſich der Kalif gerade aufhielt.

Dem Oberſchatzmeiſter Muſtapha klopfte gewaltig das Herz, als er jetzt wieder unter dieſen Gängen wandelte, die er vor kurzer Zeit unter ſo traurigen Verhältniſſen verlaſſen, und es war eben ſo ſehr der Gedanke an die Art, wie ihn der verſtorbene Kalif entlaſſen, als ſeine Erwartung, wie ihn der neue Kalif empfangen, was ihm die Bruſt bewegte. Prinz Abdallah richtete ſeine Schritte nach derſelben Laube hin, wo Muſtapha damals die letzte Audienz gehabt, und mit geſenkten Augen trat der Oberſchatzmeiſter, ſowie Zemire, vor ihren