fällt, ſo auch hier. Kaum war der Imam todt, der den Verſuch ge⸗ macht hatte, das Volk gegen den Emir el Hadſch aufzuwiegeln, ſo
wandte ſich die kleine Partei, die noch als eifrige Anhänger an den
Kalifen da war, auch zu dem neuen Herrn und das Lager erdröhnte
von dem Rufe:„Heil unſerm neuen Kalifen, Heil dem Kalifen Almanſor!“ Prinz Abdallah verſammelte die mächtigſten und weiſeſten Männer
der Karavane um ſich und ließ aus ihrer Mitte einen Mann wählen, den er mit der Würde eines Emir el Hadſch bekleidete, und der die Pilger vollends nach Mekka führen ſollte; denn er kannte wohl den 5 Widerwillen, mit welchem der Oberſchatzmeiſter Muſtapha jenen Poſten V angenommen hatte, und er wollte ihn, und beſonders ſeine Tochter Zemire nicht neuen Widerwärtigkeiten oder gar neuen Gefahren ausſetzen.
Als die Caravane darauf am andern Morgen wieder gen Mekka aufbrach, blieben viele Reiter zurück, die ſich dem Prinzen Abdallah anſchloſſen und mit ihm gen Kairo heimkehren wollten. Kaum graute der Morgen, ſo brachen beide Schaaren auf, die Karavane zog gen Oſten und Prinz Abdallah mit ſeinen Reitern gen Weſten, dem Lager ſeines Stammes zu, das er auch mit ſinkender Nacht erreichte. Er theilte dem Emir el Hadſch mit, was er auf Befehl ſeines Vaters, des Kalifen, bei der Caravane angeordnet, worauf ſich der Oberſchatz⸗ meiſter lächelnd den langen grauen Bart ſtrich, und ihm entgegnete: „Der Prophet hat Dich mit ſeiner vollen Weisheit erleuchtet, o Herr, und Du haſt das Beſte erwählt. Sieh, ich bin ein alter Mann, und möchte dereinſt gerne an den Ufern des Nils begraben werden, das
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heißt,“ ſetzte er lachend hinzu,„nachdem ich mich noch einige Jahre unter der weiſen Regierung des Kalifen, Deines Vaters, meines Le⸗ bens gefreut habe. Auch Zemire wird lieber gen Kairo zurückkehren, als aufs Neue eine weitere Reiſe durch die Wüſte antreten.“ Zemire antwortete hierauf nichts, ſah aber den jungen Mann mit einem vielſagenden Blicke an, den dieſer dadurch erwiederte, daß er die Hand auf ſein Herz legte und ihr leiſe zunickte. Am anderen Morgen brach der ganze Stamm gen Kairo auf, und in ſeiner Mitte ritt Muſtapha, der Prinz Abdallah und Zemire. Da 5 man jetzt größere Märſche machte, als es die Karavane gethan, ſo
erreichte man nach einigen Tagen Kairo, wo ſich ſchon das Gerücht von der Ankunft des Prinzen Abdallah verbreitet hatte. Die Straßen waren mit zierlich geputzten und geſchmückten Menſchen angefüllt und es herrſchte in der alten Kalifenſtadt faſt ein größeres Leben, als da⸗
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